Frutura-Chef: „Ich sage das jetzt öffentlich, weil es reicht“

Wirtschaft

Manfred Hohensinner ist Österreichs größter Obst- und Gemüselieferant. Mit seinen Frutura-Co-Gründern Franz Städtler und Johann Schwarzenhofer hatte der Steirer die Idee, 125 Grad heißes Thermalwasser zum Beheizen von Gewächshäusern einzusetzen – und so ganzjährig, umweltschonend und regional Gemüse und Obst anzubauen. Realisiert wurde die Vorstellung 2016 mit der Thermal-Gemüsewelt in Bad Blumau. Der Gegenwind, den es dafür gab, brachte den Unternehmer an seine persönlichen Grenzen. Das konnte auch das Silberne Ehrenzeichen der Republik Österreich, das ihm 2022 verliehen wurde, nicht ungeschehen machen. Doch jetzt wiederholt sich die Geschichte.

In Neudau, im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld, sollte eine Kopie der Blumauer Anlage entstehen. Es ist ein 92-Millionen-Euro-Projekt, das jetzt vielleicht nach Kroatien abwandert.

KURIER: Sie haben im Laufe Ihrer Karriere viel Gegenwind erlebt. Besonders herausfordernd war wohl Ihr Entschluss, Thermalwasser für den Gemüseanbau zu nutzen.

Manfred Hohensinner: Die Überlegung knüpfte an meine Zeit als Lkw-Fahrer und kleiner Bauer an. Ich habe mich früh mit Wissenschaft beschäftigt, hatte viel Zeit zum Lesen, man steht ja oft wochenlang herum. Ich habe damals schon verfolgt, was die Wissenschaft zum Thema Klimaveränderung sagt. Ich habe gemerkt, da kommt etwas, es war nur noch nicht spürbar. Als ich einmal von Ungarn mit dem Lkw zurückgekommen bin, hat man in unserer Region nach Öl gebohrt und Wasser gefunden. Da war man ganz enttäuscht. Dann wurde diskutiert, was man mit dem warmen Wasser macht – über Thermen und so weiter. Und ich dachte mir: Warum nimmt man es nur zum Baden? Es ist ein wunderbarer Energieträger. So kann ich im Winter Gemüse produzieren, das ich sonst importieren muss.

  Ticketsteuer für Flughafen Wien „ein Schuss ins eigene Knie“

Und Sie wollten weg von fossilen Energieträgern.

Es geht für mich nicht zusammen, dass ich einen Energieträger verwende, der fossil ist, und damit gesunde Lebensmittel produziere. Für mich war immer klar, entweder machen wir es mit warmem Wasser aus dem Boden als Energieträger oder wir lassen es. Wir machen das zu Hause, energieunabhängig, total sauber, umweltfreundlich, schaffen Arbeitsplätze und sichern die Lebensmittelproduktion – wer könnte etwas dagegen haben?

Scheinbar viele.

Leider fast alle. Ich habe wirklich die Rechnung ohne den Wirt gemacht, wortwörtlich. Es war eine ganz schlimme, schlimme Zeit. Legitimiert sind wir erst geworden, als der Ukraine-Krieg ausgebrochen ist. Aber was ich bis heute nicht verstehen kann: Wenn drei kleine Bauern aus der Oststeiermark vor 15 Jahren an das Projekt rangegangen sind, warum hat man das anderweitig nicht auch gemacht? Wir hätten heute so viele Probleme nicht.

Ihr Unternehmen wurde 1999 gegründet, beschäftigt heute 1.000 Mitarbeiter. Würden Sie das Unternehmen jetzt gründen: Wäre es möglich, Frutura am Standort Österreich erneut in dieser Form aufzubauen?

Nein.

Warum?

Ich muss leider sehr deutlich werden. Wir haben jetzt in Neudau ein Projekt laufen, wo wir eine Kopie von Blumau machen wollten, auch mit anderen Partnern. Wir hatten alle Genehmigungen, die Rechtskraft, das ganze Projekt war finanziert und trotzdem stehen wir.

Wie lange schon?

Über ein Jahr und es wird noch Jahre dauern, wie es aussieht. Wissen Sie, was der Unterschied ist zu früher? Früher haben Behörden noch entschieden. Jetzt entscheidet niemand mehr. Das heißt, du wirst im Kreis geschickt, leider muss ich das auch auf der politischen …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.