Musical zurück ins Theater an der Wien?

Kultur

Sehr geehrtes Kulturamt!

Diese Woche ist es fast untergegangen, dass die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) eine neue Chefin bekommen: Andrea Pier. Wenn ich richtig informiert bin, war sie lange für den privaten Musical-Produzenten Stage Entertainment tätig, ist also eine ausgewiesene Musical-Expertin. Ich finde das gut so und beantrage bei Ihnen, dass künftig auch im Theater an der Wien wieder Musical gespielt wird. So schön war das damals unter Peter Weck. Musical wird ja überhaupt sträflich vernachlässigt in Wien.

Mit freundlichen Grüßen, U. K.

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Sehr geehrter U. K.,

vielen Dank für Ihren Antrag, den erhalten zu haben, wir hiermit bestätigen (Geschäftszahl 30/2026). Allerdings können wir ihn nicht unterstützen, weil wir inhaltlich völlig konträrer Ansicht sind.

Man weiß zwar nicht immer, ob und was im Theater an der Wien gespielt wird, weil dort generell so selten gespielt wird. Grundsätzlich halten wir das Haus aber für perfekt für Opernaufführungen und würden keinesfalls daran rütteln. Wenn, dann plädieren wir für mehr Opernabende, weil wir der Überzeugung sind, dass längst ein Missverhältnis zwischen den Genres Musical und Oper vorliegt. Ersteres schien schon zuletzt das Liebkind der VBW-Chefetage gewesen zu sein, die Oper hingegen eine kostspielige Notwendigkeit. Wenn nun ein expliziter Musicalprofi die Geschäftsführung übernimmt, schaut das zugegebenermaßen nach einem klaren Statement der Stadt Wien und einer weiteren Priorisierung der Unterhaltung aus. Bestimmt ist aber Frau Pier klug genug, in dieser Frage auf eine Balance hinzuarbeiten.

Überdies erlauben wir uns auch, Ihnen mitzuteilen, dass die meisten in den Gängen des Kulturamtes die Schwerpunktsetzung der Stadt nachzuvollziehen nicht mehr in der Lage sind. So ist für kommendes Jahr die Eröffnung einer privat finanzierten Musicalhalle für 1.800 Besucher im Prater geplant – dass man VBW-seitig darauf in irgendeiner Weise programmatisch reagieren würde, sehen wir beim besten Willen nicht.

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Wir staunen auch regelmäßig darüber, wie gut es etwa dem Direktor der Bühne Baden, der zufälligerweise der Ehemann des Musical-Intendanten der Stadt Wien ist, gelingt, mit einem Bruchteil des Geldes der VBW und viel Innovationskraft Produktionen zu realisieren, die man auch in Wien gerne sähe. So hat man eher das Gefühl, die VBW wären in den 1980er-Jahren stecken geblieben. Die Oper scheint tatsächlich wieder zum Phantom geworden zu sein. Und der Luster dürfte bald bedrohlich wackeln.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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