Diskussion zum Tourismusstandort: Mehr Wert statt mehr Nächtigungen

Wirtschaft

Trotz Nächtigungsrekorden in den vergangenen Saisonen sehen die heimischen Touristiker noch Handlungsbedarf. Beim jährlichen Kongress von Austrian Leading Sights, einem Verein zur Förderung heimischer Sehenswürdigkeiten, diskutierten Branchenvertreter am 8. Oktober am Red-Bull-Ring in Spielberg über die Zukunft von Tourismus und Freizeitwirtschaft.

Im Zentrum der von Journalistin Danielle Spera moderierten Diskussion stand die nationale Tourismusstrategie der Bundesregierung, die „Vision T“. Diese wurde bereits im Juni präsentiert. Konkrete Maßnahmen sind darin nur zum Teil festgelegt – entsprechend dreht sich die Diskussion in der Branche auch um die Frage, wie aus den formulierten Zielen tatsächlich Veränderungen werden sollen. Ulrike Rauch-Keschmann, Sektionschefin für Tourismus im Wirtschaftsministerium, bezeichnet sie als „Masterplan für Tourismus“.

Österreich soll nachhaltiger werden

Ein Schwerpunkt der Strategie ist die Nachhaltigkeit. „Wir wollen eine der nachhaltigsten Tourismusdestinationen der Welt werden“, sagt Rauch-Keschmann. Bereits heute liegt Österreich laut dem Sustainable Travel Index von Euromonitor International auf Platz drei von 99 bewerteten Ländern. 23 Prozent der Urlauber würden ihr Reiseziel mittlerweile anhand von Nachhaltigkeitskriterien auswählen.

Als entscheidendes Buchungskriterium spiele Nachhaltigkeit allerdings noch keine große Rolle, sagt Astrid Steharnig-Staudinger, Geschäftsführerin der nationalen Tourismusmarketingorganisation Österreich Werbung (ÖW): „Buchungsentscheidend ist das Thema aber noch nicht wirklich, so ehrlich müssen wir sein.“

Das zeigt sich auch bei der Anreise. Zwar kamen heuer mehr Gäste mit der Bahn nach Österreich, gleichzeitig nahm die Zahl der Fluganreisen noch stärker zu. Mehr als 80 Prozent der Urlauber reisen nach wie vor mit dem Auto an.

Der Standort soll widerstandsfähiger werden

Neben der Nachhaltigkeit setzt die „Vision T“ auf die Resilienz des Tourismusstandorts. Die Branche ist zunehmend mit internationalen Krisen, geopolitischen Konflikten und wirtschaftlichen Unsicherheiten konfrontiert. „Wir müssen als Standort schauen, dass wir möglichst widerstandsfähig und stark sind“, sagt Rauch-Keschmann.

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Eine Rolle spielt dabei die Diversifizierung der Herkunftsmärkte. Die Österreich Werbung soll dazu beitragen, Abhängigkeiten von einzelnen Märkten zu reduzieren. Dafür erhält sie von Bundesregierung und Wirtschaftskammer jährlich etwas mehr als 30 Millionen Euro, Sonderbudgets – etwa rund um Olympia – nicht eingerechnet.

Gleichzeitig soll sich der Blick stärker auf die Wertschöpfung pro Gast richten und weniger auf das reine Wachstum der Nächtigungszahlen. Mehr Gäste allein seien demnach nicht das entscheidende Ziel.

Neue Zielgruppen sollen mehr Geld ausgeben

Aktuell konzentriere sich die Österreich Werbung stark auf stabile Nahmärkte wie Deutschland und die Niederlande, sagt Steharnig-Staudinger. Dort gehe es darum, neue Zielgruppen zu erreichen, die bereit seien, für einen Urlaub in Österreich mehr auszugeben.

Auch in Osteuropa entwickelt sich die Nachfrage dynamisch. Aus Polen kamen im ersten Halbjahr 2026 um fast 18 Prozent mehr Nächtigungen als im Vorjahreszeitraum. Auch Ungarn und die Slowakei legten merklich zu.

Unter den Fernmärkten gilt etwa Indien als interessant. Indische Gäste bringen laut Steharnig-Staudinger eine hohe Wertschöpfung, stellen die Branche aufgrund kultureller Unterschiede aber auch vor Herausforderungen. „Es sind 1,4 Milliarden Einwohner. Wir müssen einfach lernen, auch mit diesen Gästen umzugehen“, sagt sie.

Kritik: Es fehlen konkrete Maßnahmen

Kritik an der „Vision T“ kommt auf dem Podium von Paul Blaguss, Chef des Busunternehmens Blaguss. Die Strategie verfolge zwar „wirklich wichtige Ziele“, nun müssten diese aber auch in konkrete Aktionspläne übersetzt werden.

Zudem müsse die Rolle von Kulturstätten und Sehenswürdigkeiten stärker berücksichtigt werden – auch …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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