
*Disclaimer: Das TV-Tagebuch ist eine streng subjektive Zusammenfassung des TV-Abends.*
Man sollte dringend in Aktien jener Unternehmen investieren, die nicht Steh-, sondern Drehlampen herstellen. Denn auf die Rücktrittscausa um den ehemaligen ORF-Chef Roland Weißmann wird in derart schöner Regelmäßigkeit (und großer Aufgeregtheit) „neues Licht“ geworfen, dass man den gegenwärtigen Beleuchtungsstatus gar nicht mehr parat hat. So überlegte man kurz, als Moderatorin Manuela Raidl zum Auftakt von „Pro & Contra“ meinte, „die Empörung wechselt gerade die Seite“, welche Seite denn noch nicht empört war.
Ein wenig „Licht ins Dunkel“ (ja, dessen ehemaliger Chef kommt irgendwie auch vor in der Misere) wollte man am Dienstagabend auf Puls4 werfen. An die Lichtschalter ließ man Barbara Toth vom Falter, Eva Schütz vom Exxpress, Katja Wagner von der Kronen Zeitung und den Anwalt Roland Weißmanns, Norbert Wess.
Und letzterer wollte dem Gespräch sogar einmal das Licht abdrehen.
Große Themen, kleine Debatten
Es geht um Weißmanns Chats, eine ORF-Mitarbeiterin, die ihm Vorwürfe macht, um Ermittlungen wegen Erpressung und ganz allgemein eine Diskussion darüber, wie Frauen und Männer und Chefs und Untergebene sich so zueinander verhalten sollten. Es geht, wenn man einen Schritt zurücktritt, auch um ein Land, das Sachverhalte überhaupt nur an politischen Linien und dementsprechenden Glaubensüberzeugungen entlang zu diskutieren vermag, um Seilschaften und Machtrangeleien. Große Themen, die das Land und seine Elite, deren emotionales Zentrum auf immer der ORF bleiben wird, gut beschäftigen.
Aber es gibt, das weiß man (sorry, keine Absicht!), nichts, das man in diesem Land nicht als Medienstreit darstellen kann. Das ist manchmal in der Ausdifferenzierung ein bisschen mühsam, weswegen man für diese Diskussionssendung den kürzesten Weg gegangen ist, der auch der weiteste ist: Mit dem Falter und dem Exxpress hat man man das gesamte Spektrum der heimischen Medien- und mediennahen Landschaft in einer Art Zangengriff umfasst und muss sich nicht mit den Mühen der Mitte abgeben. Links, rechts, aber ohne Mitte, das läuft ja schließlich auch bei der Konkurrenz.
Und wie es der Nicht-Zufall so will, üben sich die beiden medialen Anlaufstellen für politisch Heimatsuchende auch hier in diametral entgegengesetzten Positionen: Während der Falter eher nicht so auf der Seite von Roland Weißmann steht, steht der Exxpress eher nicht so auf der Seite der ORF-Mitarbeiterin. Das macht sich gut im Fernsehen.
Die Semantik eilt zu Hilfe
Schütz, als ehemalige Kandidatin um die ORF-Leitung offenbar medial versiert, hat dementsprechend auch einen Sager mitgebracht, der gleich zwei Mal zum Einsatz kommt: „Ein Machtgefälle ist nicht immer ein Machtmissbrauch“, sagt sie, und meint damit, dass sich die Frau ja auch hätte wehren können, anstatt „Herzerl Herzerl Bussi Bussi“ zu schicken.
Denn wenn ihr jemand ein Foto seines Penisses schicken würde, würde sie eine Antwort erwarten, die sich in ungefähr „schick mir nie wieder so ein Foto, sonst blockiere ich dich“ erschöpft. Das wäre die „Verhaltensweise eines reifen, erwachsenen Menschen“, der „so etwas nicht haben möchte“.
Womit diese Debatte eigentlich schon wieder zu Ende sein könnte: Hätte die Frau halt richtig reagiert! Es sollte nicht der letzte gefühlte Schlusspunkt sein, der eine komplizierte Sache mit erschreckender Einfachheit zu Ende bringen soll.
Reif oder nicht reif, das war nicht die Frage
Wie …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



