
Sämtliche internationalen Krisen und Kriege der Welt – von der Ukraine über den Iran bis zum Sudan – kommen den radikalislamischen Taliban in Afghanistan zupass: Das Land am Hindukusch ist aus den Schlagzeilen verschwunden, die Taliban, die seit nunmehr wieder fünf Jahren an der Macht sind, können ungebremst schalten und walten, wie sie wollen.
Das bekommen auch Millionen Menschen zu spüren, die seit dem Vorjahr aus Pakistan und dem Iran zur Rückkehr in ihre frühere Heimat gezwungen wurden. Allein fast drei Millionen Afghanen und Afghaninnen waren es im Vorjahr, heuer kamen wieder Hunderttausende dazu. „Ihre Lage ist extrem schwierig“, schildert Caritas-Österreich-Vizedirektor Alexander Bodman, „sie haben weder Wohnraum noch Einkommen“.
Und kaum über der Grenze, warten schon die Taliban mit ihren ultra-strengen Regeln, wie sich Frauen zu kleiden haben oder dass Frauen, selbst mit der den ganzen Körper verhüllenden Burka, nicht im selben Zelt mit einem Mann sitzen dürfen, auch wenn sie nur auf ein Glas Wasser warten.
Mehr als 250 Gesetze und Verordnungen hätten die Taliban in den vergangenen fünf Jahren verabschiedet, die nur darauf abzielen, das Leben von Frauen und Mädchen radikal einzuschränken, schildert die letzte freie Botschafterin Afghanistans, Maniza Bakhtari, in einem Pressegespräch in Wien. „Wir haben heute Geschlechter-Apartheid“, schildert sie, „und die Folgen werden auf Jahre hinaus spürbar sein.“
Keine Ärztinnen mehr in Afghanistan
Mädchen ist es verboten, eine höhere Schulbildung zu absolvieren, Frauen dürfen nicht mehr studieren – das wirkt sich auch verheerend auf die ohnehin schon katastrophal schlechte Gesundheitsversorgung in Afghanistan aus: Es kommen keine Krankenschwestern mehr nach, keine Ärztinnen – was bedeutet, dass Frauen in den bitterarmen ländlichen Gegenden bald überhaupt keine medizinische Versorgung erhalten werden.
Generell seien Frauen, so berichten es Besucher, die unlängst in Afghanistan waren und sich den ständigen Kontrollen der Taliban fügen mussten, aus dem Straßenbild in Kabul oder Herat fast verschwunden. Und wenn sie doch zu sehen seien, dann nur mit Burka.
Auch private Häuser werden von den Taliban ständig und ohne Vorwarnung durchsucht. Niemand kann sich sicher sein, dass die radikal-islamischen Sitten- und Moralwächter nicht plötzlich hereinplatzen.
Umso dringender, beharrt die Caritas, benötigen Millionen Menschen in Afghanistan humanitäre Hilfe. Zur internen Flüchtlingskrise mit den Millionen erzwungenen Rückkehrern kommen noch die Folgen des Erdbebens vom Sommer 2025 mit mehr als 2.000 Toten. Und das alles angesichts einer Situation, in der die internationale humanitäre Hilfe massiv zurückgeschraubt wird – sodass allein im Vorjahr 3,3 Millionen Menschen in Afghanistan den Zugang zu medizinischer Erstversorgung verloren haben.
Spendenkonto Caritas IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560. BIC: GIBAATWWXXX. Kennwort: Afghanistan
Source:: Kurier.at – Politik



