Klassenkampf in Südkorea: Was kostet Ihre Handtasche?

Kultur

Husch, husch ins Kino, bevor „Possible Love“ auf Netflix startet, denn dort gehört er hin: auf die große Leinwand.

Auf dem Filmfestival in Venedig wurde Lee Chang-dongs exzellentes Klassendrama mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet, von Südkorea wurde es als offizieller Oscarbeitrag nominiert. Lee Chang-dong, der in seinem letzten, exquisiten Film „Burning“ (2018) eine Kurzgeschichte von Murakami adaptierte, ist neben Oscar-Preisträger Bong Joon-ho („Parasite“) einer der bedeutendsten Filmregisseure seiner Heimat.

Klassenfragen und Jobängste bilden, oft in einer gelungenen Mischung aus Drama, Komödie und Horror, ein wiederkehrendes Motiv im südkoreanischen Kino und haben Hits wie „Parasite“ und „No Other Choice“ vorangetrieben. Auch „Possible Love“ ist von den politischen Arbeitskämpfen der letzten Jahre inspiriert.

Wer in Südkorea seinen Job verliert, steht vor dem Ruin seiner wirtschaftlichen Existenz und erleidet einen sozialen Tod. Dementsprechend beginnt „Possible Love“ mit einer Trauerfeier: Nach einer Entlassungswelle hat sich ein Metallarbeiter das Leben genommen. Eine engagierte Filmemacherin nimmt an der Trauerfeier teil, weil sie die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die Betroffenen dokumentieren möchte. Bei der Gelegenheit stellt sie den Kontakt zur Gattin eines der gekündigten Fabriksarbeiter her.

Krasse Gegensätze

Die beiden Frauen sind sich sympathisch. Als die Frau des gekündigten und mittlerweile depressiven Arbeitslosen jedoch den Preis der Handtasche googelt, die ihrer neuen Freundin am Arm baumelt, muss sie doch sehr schlucken. Geld spielt für die Filmemacherin keine Rolle, denn sie ist mit einem schwerreichen Mann verheiratet. Die sozialen Unterschiede zwischen den beiden Paaren treten besonders krass zutage, als das reiche Ehepaar die neuen Bekannten auf ihr Landgut einlädt. Dort beginnen sich die materiellen Besitzverhältnisse auf das erotische Begehren zu übertragen.

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Kann die Freundschaft der Frauen zueinander Klassenunterschiede überbrücken? Entspringt das Interesse der Dokumentaristin echter Empathie, oder sucht sie doch nur nach provokantem Filmstoff? Lee Chang-dongs Antwort ist desillusioniert, aber nicht bitter.

INFO: Südkorea/USA 2026. 164 Min. Von Lee Chang-dong. Mit Jeon Do-yeon.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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