
Ruhestand hat hier weder mit Ruhe noch mit Rumstehen zu tun: In seinem aktuellen Buch „Alte Meister“ macht Patrick Budgen, bekannt aus dem ORF, von seinen drei Zentralfriedhofkrimis und heuer für die KURIER ROMY nominiert, eine Seniorenresidenz zum Schauplatz eines unterhaltsamen Kriminalfalles. Ein sympathisches Pensionisten-Kleeblatt wird hier in einen Kunstraub verwickelt – und entdeckt dabei nicht nur allerlei kriminelle Machenschaften, sondern zeigt ebenso, dass auch Menschen jenseits des Erwerbsalters ganz schön viele Emotionen, Wünsche und Träume in sich tragen.
Das zu beschreiben war, sagt Budgen im KURIER-Gespräch, neben einem möglichst hohen Unterhaltungsfaktor ein großes Anliegen des Autors. „Mir ist aufgefallen: Wenn man über das Thema Alter schreibt oder spricht, ist das immer extrem negativ behaftet“, sagt er. „Man wird krank, man wird vergesslich, man wird gebrechlich, man hat Wehwehchen. Aber es gibt doch so viele Dinge, die im Alter besser werden! Man hat Erfahrung, ist gelassener, weiß, was man will und was man nicht will.“
Und man dürfe nicht „den Fehler machen zu glauben, dass im Alter die Gefühle abnehmen. Man verliebt sich genauso, weint genauso, man freut sich – und hat Lust auf Abenteuer. Ich glaube, dass wir die Alten oft unterschätzen.“ Das tut man nach der Lektüre von „Alte Meister“ vielleicht ein bisschen weniger, lebt doch in der Residenz Gutwohl eine Gruppe an komplexen Bewohnern, alle mit ihrer eigenen Geschichte.
„Ich habe für das Buch mit einigen Bewohnern einer Seniorenresidenz gesprochen – und dabei spannende Menschen kennengelernt“, erzählt der Autor. „Da sitzen keine weißhaarigen Menschen und warten aufs Sterben. Die haben alle ein sehr aktives Leben und Ziele. Und manchmal sind sie halt ein bisschen illegal“, sagt Budgen mit einem Lachen.
Was genau in dem Buch Illegales getan wird, soll hier nicht verraten werden. Nur so viel: Daniel zieht in die Residenz Gutwohl, weil er sich eine entspannte Pensionszeit wünscht, und noch dazu eine gesellige, wie in einer Taverne in Griechenland. Nun ja, ersteres tritt nicht ein, zweiteres in großem Ausmaß: Es geht rasch auch um das Schließen von Freundschaften, aber auch um Einsamkeit und jene Historie, die jeder von uns mit sich herumträgt.
Denn Budgen will auch die Schattenseiten des Älterseins nicht aussparen: „Gerade das Thema Einsamkeit, das habe ich auch gemerkt bei meinen Recherchen im Altersheim. Als ich die Menschen dort gefragt habe, warum sie dorthin gezogen sind, haben mir alle erzählt: Weil sie einsam waren. Sie hatten ein schönes Leben, haben in großen Häusern gewohnt – und dann gesagt: ,Aber es kommt keiner mehr. Die Kinder sind ausgezogen, die Enkel kommen einmal im Monat und ich sitze in diesem großen Haus und mir ist es langweilig.’“
Schnee im Sommer
Klingt nach insgesamt viel Recherche. Ist ihm das wichtig? Ja, sagt Budgen, denn er selbst ärgert sich über schlechte Krimi, „mit Logikfehlern, oder wenn man als Leser nicht draufkommen kann, wer es war.“ Daher ist es ihm wichtig, sorgfältig und realistisch zu schreiben: „Der Ort, den ich beschreibe, ist inspiriert von Bad Sauerbrunn. Ich war dort mehrfach auf Reha, das ist für mich ein Wohlfühlort“, sagt Budgen. Und wenn er schreibt, vertieft er …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



