
Sie ist die in den vergangenen zehn Jahren am stärksten gewachsene Volkswirtschaft Europas und inzwischen die sechstgrößte Wirtschaftsnation in der EU, hat mit 3,3 Prozent äußerst geringe Arbeitslosenrate und eine steigende Zahl an Krediten als Ausdruck des zunehmenden Wohlstandes: Polen entwickelt sich zum wirtschaftlichen Zentrum in Zentral- und Osteuropa. „Österreich sollte sich dazu entscheiden, Teil des Momentums zu sein“, sagt Peter Bosek, Chef der Erste Group. Die Bank ist seit Jahresbeginn auch in Polen vertreten, nachdem sie im Vorjahr um 7 Milliarden Euro 49-Prozent der Anteile an der börsennotierten Santander Bank Polska gekauft hat.
Nun setzt Bosek zum nächsten Schritt an. Er will auf bis zu 75 Prozent aufstocken und dem Streubesitz ein entsprechendes Angebot machen. Die Genehmigung dazu seitens der polnischen Aufsicht soll in Kürze erfolgen. „Je mehr Anteile, desto mehr Profitabilität für uns“, lautet Boseks simple Erklärung bei einem Besuch im Headquarter in Warschau. „Ohne Polen kann man nie die größte Bank Osteuropas werden.“
In Polen ist die Erste mit einem Marktanteil von neun Prozent die drittgrößte Bank hinter den halbstaatlichen Instituten PKO (17 Prozent) und Pekao (11 Prozent). Dieser Aufstieg sei durch die noch von Santander erfolgten Übernahmen der örtlichen Töchterinstitute von KBC und Deutsche Bank sowie organischem Wachstum gelungen, sagt Michal Gajewski, CEO der Erste Bank Polska. Der Markt sei höchst umkämpft, sieben Institute würden sich zwei Drittel aufteilen.
Die Erste kommt in Polen auf 6,1 Millionen Kunden, 305 Filialen (plus 160 Partnerstellen) und 10.200 Angestellte. Innerhalb eines Wochenendes wurde im Frühjahr alle Outlets und die Zentrale rebranded. „Das ist für eine Bank unserer Größe mehr Aufwand als nur die Logos tauschen“, sagt Gajewski. Inzwischen sei auch der Bekanntheitsgrad deutlich gestiegen – von 0 Prozent zum Zeitpunkt der Übernahme über drei Prozent im April bis aktuell 35 Prozent. „Aber unsere Ambitionen gehen natürlich viel weiter.“ Zugute komme nach der Übernahme dabei eine ähnliche Kultur der Verantwortlichen bei Santander und Erste.
Eine Herausforderung des Marktes ist die wachsende Digitalisierung. „Wir müssen mit den besten Digitalbanken der Welt wettstreiten“, so Gajewski. Von den Spaniern habe man gelernt, den Kunden einen einfachen Zugang zu den Bankgeschäften zu bieten. Schließlich würden 80 Prozent diese digital nutzen. Zwei Drittel der Polen zahlen laut Statistiken primär mit Karten, davon 98 Prozent kontaktlos. Dazu beigetragen hätten auch Initiativen wie das Programm „Bargeldloses Polen“, initiiert von Banken, Mastercard und der Regierung mit dem Ziel, die Möglichkeit von Kartenzahlungen zu steigern.
Bis auf weiteres setzt die Erste in Polen auf die bisher genutzte Banking-App und wechselt nicht auf das Erste-Onlinebanking George. Beide Systeme seien gut und man wolle die Kunden nicht gleich zu Beginn mit einer neuen App überfordern. George selbst, seit 2015 auf dem Markt, soll nächstes Jahr neue Funktionen erhalten, wobei die App dabei nicht überfrachtet werden soll. „Wir sind kein Supermarkt, wo man einen Tesla oder einen Streamingdienst kaufen wird können“, stellt Bosek klar.
Als eine Wachstumschance sehen die Erste-Manager die wachsenden Handelsbeziehungen zwischen Polen und vor allem den angrenzenden Staaten, Deutschland etwa ist mit einem Anteil von 30 Prozent der wichtigste Handelspartner. Österreichs Anteil liegt bei nur …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



