Filmkritik zu Fatih Akins „Geister“: „Ghost – Nachricht von Farah

Kultur

Von Gabriele Flossmann

In seinem neuesten Werk widmet sich Fatih Akin einer leidenschaftlichen Romanze, die untrennbar verbunden ist mit den Themen Tod und Trauer. Das größtenteils in Schwarz-Weiß gedrehte Drama beginnt mit einem Moment von Fröhlichkeit und Glück: Farah, eine Physikstudentin, hat gerade ihren Abschluss gemacht. Bei der Feier in einem Gasthaus trifft sie auf Faris. Es funkt sofort zwischen den beiden. Doch die vielversprechende, gerade erst aufkeimende Beziehung wird durch einen Autounfall brutal beendet.

Als Faris aus dem Krankenhaus – immer noch benommen – in die Realität zurückkehrt, versichert ihm seine Mutter, dass alle überlebt hätten. Bis auf Farah.

Faris ist verzweifelt – bis Farah plötzlich wieder auftaucht: Als Geist ist sie Gast beim eigenen Begräbnis und trifft dort auf ihren – ebenfalls bereits toten – Vater. Vierzig Tage noch, so prophezeit er, hätte Farah Zeit, um als Geist ihren irdischen „Nachlass“ zu ordnen.

Sie bittet Faris um eine Fortsetzung ihrer so abrupt abgebrochenen Romanze und dringt sogar in seine Träume ein. Sie beeinflusst seine Stimmung und seine Entscheidungen – in dem Glauben, damit für immer vereint bleiben zu können. Angelockt vom Versprechen einer Fortsetzung ihrer Liebesbeziehung ist Faris bereit, Farah in eine Parallelwelt zu folgen, von der man als Zuschauer ahnt, dass sie irgendwann an der Realität scheitern muss.

In seiner filmischen Trauerarbeit konfrontiert Fatih Akin die Jenseits-Romantik mit der Gewissheit, dass das Leben weitergehen muss. Und indem er die Geister der geliebten Verstorbenen erweckt, nimmt er sie in die Pflicht, die Lebenden loszulassen. Ansonsten wäre Farahs Klammern an Faris nichts weiter als eine Forderung ihr in den Tod zu folgen. Trotz seiner, stellenweise ziemlich dick aufgetragenen Sentimentalität, fühlt sich der Film aufrichtig an. Vor allem lassen sich die beiden Hauptdarsteller, Eren M. Güvercin und Mariam Dawoud so voll und ganz auf diesen Tonfall und die geradezu herzzerreißend wirkende Ernsthaftigkeit ein, dass man in ein Dilemma gerät, wenn man den Film rational – und kritisch – beurteilen will.

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INFO: D 2026. 105 Min. Von Fatih Akin. Mit Eren M. Güvercin, Mariam Dawoud, Lama Alhalabi.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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