
Ende Oktober kommt der US-Rapper Macklemore mit einer „Free Palestine“-Tour nach Europa. Die Ankündigung folgte seinem medial viel diskutierten Ausschluss als Vorband für die Konzerte von Ed Sheeran, weil er auf der Bühne eben jenen Slogan skandiert hatte. Sozialwissenschafter Lukas Geck kennt den oberflächlichen Mechanismus solcher Ausladungsdebatten bereits. „Es entsteht der Eindruck, dass sich Macklemore nur für ein freies Palästina einsetzen will, was ja wünschenswert wäre. Aber wenn er das ernsthaft betreiben würde, müsste er auch benennen, wer denn eigentlich den Gazastreifen kontrolliert. Das ist immer noch die Hamas, auch wenn sie stark geschwächt wurde. Die wird aber von ihm nie erwähnt. Auch das Massaker vom 7. Oktober spielt bei seinen Aussagen nie eine Rolle.“
Keine Zufälle
In jedem Video zu den „Protestsongs“, die der Rapper seit dem 7. Oktober 2023 veröffentlicht hat, habe Macklemore antisemitische Narrative verwendet, so Geck: „Etwa Geldscheine mit Davidsternen und Bilder, die den Holocaust verharmlosen.“ In einem Song habe er mit einem Künstler zusammengearbeitet, der die eindeutig antisemitische Zeile „From The River to the Sea“ mit eingebracht hat. Insofern sei es eher kein Zufall gewesen, wie Macklemore damals im Nachhinein beteuert hat, als er 2014 in einer Verkleidung aufgetreten sei, die mit Lockenperücke und Hakennase an herabwürdigende Karikaturen à la „Der Stürmer“ erinnerte.
Das war genauso wenig ein Zufall wie es keiner war, als die deutschen Rapper Kollegah und Farid Bang mit Textzeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ 2018 beim (deswegen abgeschafften) Musikpreis „Echo“ aufgetreten sind. Das ist eines der Beispiele, die Lukas Geck und Maria Kanitz in ihrem Buch „Lauter Hass. Antisemitismus als popkulturelles Ereignis“ (Verbrecher Verlag) beschreiben. Denn diese Geisteshaltung ist zwar nach dem 7. Oktober brachialer geworden, es gab sie aber bereits davor, nicht zuletzt im Deutschrap.
„Antisemitismus äußert sich ja meistens nicht in blankem Judenhass oder ausformulierten Vernichtungsdrohungen, sondern über Codes, Chiffren und Metaphern“, so Geck. Wie Begriffe wie „Ostküste“ oder „Finanzlobby“ und bestimmte Verschwörungstheorien, die von den Musikern aufgegriffen werden. Der Künstler Haftbefehl etwa bediente sich solcher Codes mit der „Rotschild-Theorie“, sein Kollege Bushido machte – mal abgesehen von der Terrorverherrlichung im Song „Taliban“ – kein Hehl aus seiner Weltanschauung, als er eine Nahost-Karte postete, die in den palästinensischen Farben gehalten war und der Existenz Israels die Berechtigung absprach – eine Kernaussage des Antisemitismus.
Roger Waters‘ Schweineballon
Berühmtere Beispiele auf der Weltbühne sind Kanye West, der sich zwar weniger um Nahost kümmert, oder Pink-Floyd-Mitgründer Roger Waters, von dem man dies keineswegs sagen kann. Kurz nach dem Massaker vom 7. Oktober raunte er etwa in einem Interview seine Vermutung, dass der Terror-Angriff von Israel selbst gesteuert worden sei. Der Mann, der bei seinen Konzerten einen Ballon in Form eines Schweins steigen lässt, auf dem ein Davidstern abgebildet ist, das dann vom Publikum zerstört wird, befand sich auch an vorderster Front der BDS (Boycot, Divest, Sanction). Diese Organisation setzte es sich bereits vor dem 7. Oktober zum Ziel, israelische und/oder jüdische Künstler von Bühnen zu verbannen.
Geck kennt absurde Beispiele: „2015 wurde bei einem Festival in Spanien auf einen kanadisch-jüdischen Reggae-Künstler von einer lokalen BDS-Gruppe Druck …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



