„Tempo ist höher“: Warum eine Frau lieber mit Männern Fußball spielt

Sport

Schon in der 4. Spielminute muss sie zum ersten Mal kräftig zupacken: Da hält Patricia Heinzmann mit einem Mega-Reflex auf der Linie die Null für ihre Mannschaft fest.

Und wenn hier Mannschaft steht, dann muss dies nicht gegendert werden. Denn die zehn Vorderleute von „Patze“, wie sie in ihrem Verein auch genannt wird, sind ohne Ausnahme junge Männer, Spieler des Frankfurter Kreisligisten SV Niederursel, gewillt, in der neuen Saison Großes zu erreichen.

Die andere Mixed Zone

Ein neues Regulativ, das der Deutsche Fußball-Bund (DFB) im Rahmen eines Pilotprojekts geschaffen hat, erlaubt es der 29-jährigen Torfrau, in einem Meisterschaftsspiel mit den Männern zu spielen (siehe Interview).

Nach dem heutigen Auswärtsspiel bei Schwarz-Weiß Griesheim wird Patricia Heinzmann dem KURIER verraten: „Ich bin unglaublich froh, dass es für mich diese Möglichkeit gibt.“ Zwar sei es in der Großstadt Frankfurt leichter als in kleineren Dörfern, sich einem Frauenteam anzuschließen, dennoch sei diese Option für sie „perfekt“.

Ihre Position im Team ist unumstritten. Ihre Mitspieler aus dem Norden Frankfurts bedanken sich auch in Minute 10 bei „Patze“. Wieder kann die souverän agierende Torfrau einen frühen Rückstand verhindern.

Nicht in Österreich

Im österreichischen Amateurfußball sind gemischte Mannschaften bei Meisterschaftsspielen nicht erlaubt. Anders ist das beim Eishockey: Dort durfte die Wiener Torfrau Theri Hornich schon vor einigen Jahren das Eis für die Frauen brechen. Ebenfalls zur Freude ihrer männlichen Mitspieler.

Werktags trägt Patricia Heinzmann in Bad Homburg Post aus. Am Sonntag geht am Fußballplatz die Post ab. Ihre Kommandos hallen ebenso laut wie unmissverständlich über den Platz: „Weiter, Männer, zweiter Ball!“

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Man könnte sagen: Diese Frau hat hier die Hos’n an. Auch deshalb, weil ihre neuformierte Mannschaft den Gegnern zu viele Räume lässt. Nach einer Flanke, einer unglücklichen Kopfabwehr und einem Getümmel im Strafraum fällt das 0:1 aus der Sicht der Niederurseler. Zur Halbzeit steht es 0:3.

„Patze trifft an allen drei Toren keine Schuld“, betont ein älterer Fan der Gäste, den alle liebevoll „Opa“ nennen. Das Vertrauen vonseiten des Vereins und ihrer Mitspieler sei das Schönste, was sie als Torfrau in einer Männermannschaft erleben durfte, sagt denn auch Patricia Heinzmann nach dem Schlusspfiff: „Ressentiments gab es bei uns nie, nur von gegnerischen Spielern und einigen Anhängern.“

Warum sie lieber mit Männern spielt? „Weil das Tempo höher ist und ich mehr gefordert werde.“ Frauen hätten vielleicht mehr Spielverständnis, Männer wären dafür robuster und schneller beim Erfassen einer Situation. Als Feldspielerin möchte sich die Briefträgerin übrigens nicht mit Männern messen: „Da sehe ich aufgrund der unterschiedlichen Physis wenig Chancen.“

Fehlerlos in Frankfurt

„Patze“ patzt auch in der zweiten Halbzeit nicht. Dennoch muss sie den Ball noch drei weitere Male aus dem Tor holen. Nach einer bitteren 1:6-Niederlage am Ende heißt es oft: Der beste Mann der Mannschaft war an diesem Tag der Tormann. Heute lässt sich auf einem Fußballplatz am Stadtrand von Frankfurt festhalten: Der beste Mann war eine Frau.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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