
Die Salzburger Festspiele wollen einfach kein Ende nehmen. Sie begannen im Frühjahr mit dem Showdown zwischen Intendant Markus Hinterhäuser und dem Kuratorium unter dem Vorsitz von Landeshauptfrau Karoline Edtstadler – zum Leidwesen aller Kommentatoren hinter verschlossenen Türen, sodass wir bis heute nicht wissen, warum die Konfliktparteien seit Ende März aufgrund unüberbrückbarer Differenzen getrennte Wege gehen.
Nun ist auch die Zwangsbeurlaubung zu Ende – und Hinterhäuser ein freier Mann, der sich mit dem Kuratorium einvernehmlich geeinigt hat. Der Dirigent Franz Welser-Möst sieht es ausgesprochen pragmatisch: „Wir sind alle nur ein Sandkorn in der Geschichte“, sagte er zu den Salzburger Nachrichten. Man hätte sich einst nicht vorstellen können, dass es Festspiele nach Herbert von Karajan geben könne, aber es gibt sie weiterhin. „Es wird sie auch nach Hinterhäuser geben.“
Und so gehen die Festspiele eben auch nach ihrer diesjährigen, sehr erfolgreichen Ausgabe weiter: Diese Woche beginnen die Hearings. Nicht nur für die Intendanz ab dem September 2027 (Ex-Burg-Direktorin Karin Bergmann leitet interimistisch), sondern auch für das Präsidentenamt. Denn der Vertrag von Kristina Hammer läuft Ende Dezember aus. Sie hat ihr Interesse an einer zweiten Amtsperiode bekundet.
Normalerweise liefert Ihnen Ihr Tratschpartner durchrecherchierte Geschichten. Heute allerdings vernehmen Sie tatsächlich nur Tratsch. Denn der Re-Check ist erfahrungsgemäß sinnlos. Weil in der Regel alle, die um diese Jobs rittern, bestreiten, sich beworben zu haben.
Bekanntlich dementierte Lotte de Beer, Direktorin der Volksoper, eine Meldung der Kronen-Zeitung, wonach sie „die derzeit besten Chancen“ für die Intendanz gehabt habe. Es sei ihr „wichtig zu betonen, dass ich mich nicht beworben habe“. Auch Ex-Interimsbundeskanzler Alexander Schallenberg, dem „hohe Chancen nachgesagt“ worden seien (laut Krone), dementierte: Er hätte sich nicht als Präsident beworben und fühle sich zur Beschaffung von Sponsorgeldern nicht berufen.
Ziemlich logisch ist allerdings die Geschlechterverteilung: eine Frau und ein Mann. Zumal Lukas Crepaz über den März 2027 hinaus (da endet dessen Vertrag) kaufmännischer Direktor der Festspiele bleiben dürfte: Er hat sich als Mastermind des riesigen Bauprojekts „Festspielbezirk 2030“ quasi unverzichtbar gemacht.
Ein Gerücht besagt zwar, dass er zusätzlich das Präsidentschaftsamt anstrebe. Ein Dreierdirektorium ist ja nicht gottgegeben, auch Ex-Langzeitpräsidentin Helga Rabl-Stadler war, um Kosten zu sparen, einige Jahre Finanzchefin. Aber Crepaz quittiert die Nachfrage mit einem müden Lächeln: Er würde nichts auf das Gezwitscher Salzburger Vögel geben.
Wer also bleibt übrig?
Der „ebenfalls als Favorit gehandelte“ Galerist Thaddaeus Ropac , einer der mächtigen Fädenzieher im Hintergrund, hat definitiv kein Interesse, den Präsidenten zu machen. Genannt werden Johannes Honsig-Erlenburg, Präsident der Stiftung Mozarteum, und zwei gebürtige Salzburgerinnen: Einerseits Susanne Moser, seit 2005 Geschäftsführende Direktorin der Komischen Oper Berlin und seit dem Ausscheiden von Barrie Kosky 2022 auch Ko-Intendantin (neben Philip Bröking), andererseits Ulrike Sych, die Rektorin der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien.
In der Krone wurde Sych zwar als Intendantin gehandelt, aber das dürfte ziemlich sicher falsch sein; im Falle Mosers wären beide Funktionen denkbar. Das könnte also auf ein Match mit Barrie Kosky hinauslaufen. News trommelt seit Wochen in jeder Ausgabe seinen Namen.
Der Regisseur, der für die Pfingstfestspiele die Oper „Il viaggio a Reims“ von Gioacchino Rossini inszenierte, schien in Salzburg eifrig …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



