
Konjunktur- und Jobflaute rücken die erhoffte Trendwende am Arbeitsmarkt in weite Ferne. Auch im August gab es inklusive Schulungen einen Anstieg um 2,3 Prozent auf knapp 376.000 Arbeitslose. Ein genauer Blick in die AMS-Statistik zeigt einige Auffälligkeiten, die die Zahlen beeinflussen. Ein Überblick:
1. Frauen über 60
Es ist der größte und nachhaltigste Statistik-Effekt. Durch die stufenweise Angleichung des Frauen- an das Männerpensionsalter landen immer mehr Frauen über 60 in der Arbeitslosen- statt Pensionsstatistik. Die Gruppe ist aktuell für ein Viertel des Arbeitslosenanstiegs verantwortlich. Im August kamen 2.260 Betroffene hinzu, ein Anstieg um 36 Prozent auf knapp 9.000. Die Beschäftigung 60plus stieg mit 23 Prozent oder 20.000 auf 107.000 weniger stark. Das AMS versucht mit Lohnsubventionen gegenzusteuern, viele Betroffene haben oft nur einige Monate bis zum Pensionsantritt und überbrücken die Zeit beim AMS. „Positiv ist, dass die weitaus überwiegende Zahl der Frauen länger in Beschäftigung bleiben und so höhere Pensionsansprüche erwerben können“, sagt AMS-Chefin Petra Draxl.
2. Syrer
Wegen der Rückkehr in die Heimat, kaum Nachzug und vermehrter Jobaufnahmen sinkt die Arbeitslosigkeit bei Asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten aus Syrien stark, wovon vor allem die Wiener AMS-Statistik profitiert. Im August gab es inklusive Schulungen ein Minus von 5.000 Betroffenen auf 18.400 Vorgemerkte – der niedrigste Stand seit vier Jahren. Wegen der Streichung der Sozialhilfe, aber auch einer besseren Qualifizierung in den Jugendcolleges gibt es mehr Jobaufnahmen bei jungen Syrern. Die Beschäftigung nahm um 17 Prozent auf 32.000 zu. Einen ähnlich starken Zuwachs gab es bei größeren Ausländergruppen nur bei den Ukrainern. Großen Aufholbedarf gibt es jedoch bei den Frauen.
Die Inländerbeschäftigung schrumpft mit Ausnahme von Wien demografiebedingt schon seit Monaten, was wiederum den Fachkräftemangel in manchen Branchen verschärft.
3. Akademiker
Der Arbeitsmarkt für Jung-Akademiker/innen hat sich deutlich verschlechtert, die Arbeitslosigkeit steigt seit Monaten zweistellig. Hauptgründe sind die maue Konjunktur, arbeitsmarktferne Ausbildungen, wenig Praxiserfahrungen sowie der vermehrte Einsatz von KI-Tools, der Jobs wegrationalisiert. Im August gab es ein Plus von 11 Prozent auf 38.000 Arbeitslose. Die Arbeitslosenquote in dieser Gruppe ist mit 3,4 Prozent aber nach wie vor die mit Abstand niedrigste aller Qualifikationen. Zu beachten ist, dass die Gruppe immer größer wird. So schließen rund 60.000 Menschen jährlich ein Studium ab, Anfang der 1990er-Jahre waren es 15.000. Jobgarantien gibt es mit Uni- oder FH-Abschluss nicht mehr.
4. (Lehr)stellenmangel
Kein gutes Vorzeichen für den Herbst ist die Personalzurückhaltung. Die Zahl der beim AMS gemeldeten offenen Stellen ging im August gegenüber dem schwachen Vorjahr um 1,3 Prozent auf knapp unter 80.000 zurück. Noch deutlicher war das Minus bei sofort verfügbaren Lehrstellen mit 15 Prozent, in Wien sogar 38 Prozent. Auch wenn viele Betriebe erst im Herbst rekrutieren, im Tourismus, im Handel und in der öffentlichen Verwaltung wird deutlich weniger ausgebildet. Einziger Lichtblick: Es werden wieder mehr Vollzeitstellen ausgeschrieben.
5. Niederösterreich
Auffällig im Bundesländervergleich ist der überdurchschnittlich starke Arbeitslosenanstieg mit 6,7 Prozent in Niederösterreich, der sowohl Frauen (+8,4 Prozent) als auch Männer (+5,3 Prozent) betrifft. Nach Branchen gab es im August bei wissenschaftlich-technischen Dienstleistungen und in der öffentlichen Verwaltung zweistellige Zuwächse. „Wir beobachten in Niederösterreich aktuell einen Nachzieheffekt“, erläutert Draxl. Das Land sei lange sehr …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



