Sechzig Wurstwaren in der Feinkost: Filmkritik zu Roadmovie „London“

Kultur

Stammgäste der Viennale erkennen ihn gleich, denn Bobby Sommer arbeitete jahrelang als Chauffeur auf dem Wiener Filmfestival. Das Leben hinter dem Steuer liegt ihm; schon in den 1960er Jahren war er als Roadie tätig. In dem neuen Film von Sebastian Brameshuber, der irgendwo zwischen Realität und Fiktion angesiedelt ist, pendelt er zwischen Wien und Salzburg hin- und her, um einen komatösen Freund im Spital zu besuchen. Um Benzingeld zu sparen, nimmt er verschiedene Mitreisende an Bord und verkürzt sich die Zeit mit Gesprächen.

Ein Student mit albanischen Wurzeln erklärt ihm, warum „Avatar“ ein marxistisches Meisterwerk ist. Ein Soldat berichtet von seinen Zweifeln am Griff zur Waffe; eine junge Ukrainierin schwärmt von der romantischen Liebesgeschichte ihrer Eltern. Und ein Lehrling aus der Feinkostabteilung zählt ihm seine sechzig Wurstwaren auf. Bobby Sommer hört zu, stellt Fragen und kommentiert die Erzählungen mit Erinnerungen aus seinem eigenen Leben. Im Inneren seines Wagens entfaltet sich dadurch ein Kosmos aus unterschiedlichsten Lebensentwürfen über Generationsgrenzen hinweg. Geprägt von kultureller und sprachlicher Vielfalt, die unsere europäische Gegenwart widerspiegelt, werden die polyglotten Zufallsbekanntschaften zu einem Sinnbild eines vorurteilsfreien Miteinanders.

INFO: Ö 2026. 122 Min. Von Sebastian Brameshuber. Mit Bobby Sommer, Paul Schild.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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