Die Vereinigten Bühnen Wien (VBW), zu denen das Ronacher, das Raimund Theater und das Theater an der Wien gehören, haben eine neue Geschäftsführung: Andrea Pier folgt auf Franz Patay. Patay war seit 2016 Geschäftsführer der VBW. Pier hatte zuletzt als Managing Director das Projekt Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 mitverantwortet.
Allerdings kann Pier auch im Bühnenbetrieb auf Erfahrungen verweisen, hatte sie davor doch zwei Jahrzehnte in leitenden Funktionen beim Großkonzern Stage Entertainment gearbeitet. Sie war unter anderem Leiterin des Theaters des Westens in Berlin und für das Tourgeschäft zuständig. Damit setzte sie sich im Bewerbungsprozess gegen 18 Mitbewerberinnen und -bewerber durch und hat nun einen Fünf-Jahres-Vertrag erhalten.
Auf die neue Geschäftsführung warten große Herausforderungen: Bei der Oper im Theater an der Wien wurde zuletzt empfindlich gespart. Und die Musicalschiene, die schon jetzt in der Größenordnung von 20 Millionen Euro jährlich subventioniert wird, bekommt neue Konkurrenz: In rund einem Jahr eröffnet das privat betriebene „Theater im Prater“ mit „Der König der Löwen“.
„Freude“ sei wohl das am häufigsten verwendete Wort des Tages, zeigte sich die designierte Chefin verständlich beglückt von der Entscheidung. Sie werde am 1. Dezember in Wien mit großem Tatendrang starten. Die Sparvorgaben für die VBW angesichts des Wiener Budgetlochs seien ihr mit Erfahrung im Privatsektor vertraut: „Wichtig ist immer, dass man die richtigen Weichen stellt, um weiterhin die künstlerische Exzellenz hochzuhalten.“ Auch das „Theater im Prater“ bereite ihr keine Sorgen. Und auch an der Budgetverteilung innerhalb der Vereinigten Bühnen zwischen Oper und Musical wolle sie derzeit nicht rütteln: „Ich sehe jetzt erst mal keine Not, etwas zu verändern.“
Der Wechsel nach Wien stellt für Pier gewissermaßen eine Rückkehr dar. Ihr Studium der Theaterwissenschaft hatte die am 7. Oktober 1969 in Bielefeld geborene Tochter einer Linzer Operettensoubrette zuvor an der Universität Wien absolviert. „Ich habe irgendwann auch studiert, ganz viel war ich aber im Theater und im Kaffeehaus“, umriss die deutsch-österreichische Doppelstaatsbürgerin ihr Werden.
Die Stelle war im Mai ausgeschrieben worden, da Patays Vertrag im Herbst ausläuft. Gesucht wurde von der Wien Holding als Eigentümerin der VBW „eine souveräne Persönlichkeit“. Diese trägt die „Gesamtverantwortung für die Gesellschaft in sämtlichen kaufmännischen und operativen Belangen“.
Zu den Aufgaben zählt unter anderem die „Weiterentwicklung und Umsetzung der Unternehmensstrategie zur erfolgreichen Positionierung als künstlerischer Top-Player in Europa“ und „die Produktion von Welturaufführungen“ (im Bereich Musical). Erwartet werden ein „geradliniger, stringenter Karriereverlauf“ sowie „hervorragende Kommunikationsfähigkeiten“ und ein „teamorientierter, partizipativer Führungsstil mit hoher Sozial- und Diversitätskompetenz“.
Source:: Kurier.at – Kultur



