Gruppenvergewaltigung an Elite-Uni erschüttert Amerika – und Trump gießt Öl ins Feuer

Politik

Es gibt Sätze, die in einem aufgeheizten Fall wie Kerosin wirken, gerade wenn sie von Donald Trump kommen. Gefragt nach der Entscheidung von New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul, die Ermittlungen im landesweit für Empörung sorgenden Massenvergewaltigungsfall an der Elite-Universität Cornell Generalstaatsanwältin Letitia James zu übertragen, erklärte der Präsident der Vereinigten Staaten vor dem Weißen Haus: „Mir tun diejenigen leid, die sie ins Visier nimmt. Sie werden keine faire Behandlung bekommen.“ 

Das war bemerkenswert. Denn James’ neues Ermittlungsmandat betrifft einen Fall, bei dem bislang niemand offiziell angeklagt, geschweige denn verurteilt ist – und bei dem eine 20-jährige Studentin behauptet, im Oktober 2024 im Verbindungshaus der traditionsreichen studentischen Männerverbindung Chi Phi unter Alkohol und die Droge Ketamin gesetzt und über Stunden von mehreren Männern sexuell missbraucht und vergewaltigt worden zu sein. 

Die junge Frau firmiert in den Akten wie üblich in solchen Fällen anonymisiert als „Jane Doe“. Sieben damalige Mitglieder der Fraternity hat sie in einer Zivilklage beschuldigt. Die Männer weisen unisono strafbares Verhalten zurück. Einige bestreiten eine Beteiligung. Andere räumen sexuelle Kontakte ein, beharren aber darauf, sie seien einvernehmlich gewesen.

Genau darüber muss nun erneut ermittelt werden. Auch anhand von Text-Mitteilungen, die die Männerbündler austauschten; einige im Ton erschreckend und erbärmlich, weil darin eine junge Frau nicht als Mensch, sondern als verfügbare Ware erscheint.

Sexualisierte Gewalt an einer amerikanischen Universität ist kein neues Phänomen. Neu ist in Cornell die Verdichtung von allem, was Amerikas Debatte über Elitehochschulen, sexuelle Gewalt und institutionelles Wegsehen seit vielen Jahren vergiftet. 

  Eva-Maria Holzleitner: Nächster Aufstieg für die Frauenvorsitzende

Eine der Elite-Universitäten in den USA

Cornell ist – wie Harvard, Yale, Princeton, Columbia und andere – Ivy League, eine Universität im Bundesstaat New York mit globalem Renommee. Wer dort aufgenommen wird, hat im amerikanischen Aufstiegsversprechen die Sicherheitsschleuse bereits hinter sich.

Hier werden Senatoren, Richter, CEOs, Wissenschaftler und künftige Minister ausgebildet. Hier beginnt für einen Teil der amerikanischen Führungsschicht jenes Netzwerk, das Jahrzehnte später noch Türen öffnet.

Umso verheerender wirkt der Verdacht, dass ausgerechnet dort ein Fall von möglicher Gruppenvergewaltigung zwischen Campus-Polizei, universitätsinternem Disziplinarverfahren und Staatsanwaltschaft versandet sein könnte. Jane Doe wandte sich wenige Wochen nach jener Nacht an die Cornell University Police. Später sagte sie Universitäts-Ermittlern laut inzwischen veröffentlichten Unterlagen, sie habe sich „wie ein Köder“ gefühlt, die Männer seien „wie Löwen um mich herum“ gewesen. In einer Polizeibefragung berichtete sie: „Ich kann mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass ich vergewaltigt wurde.“ 

Allein, dieser Satz erreichte den zuständigen Bezirksstaatsanwalt Matthew Van Houten nach dessen Darstellung nie. Er habe lediglich eine sechsseitige schriftliche Aussage erhalten, aus der er keine hinreichende Grundlage für eine Anklage abgeleitet habe. Der Fall wurde nicht weiterverfolgt. 

Erst als Jane Doe im September 2026 ihre Zivilklage einreichte und weitere Details öffentlich wurden, rollte Van Houten die Sache wieder auf. Da war der politische Schaden längst angerichtet. Kathy Hochul, die demokratische Gouverneurin, warf den örtlichen Akteuren vor, das Opfer im Stich gelassen zu haben. Ihr stärkster Vorwurf: Der Bezirksstaatsanwalt habe nicht einmal das „absolute Minimum“ getan. Sprich: die junge Frau nicht selbst befragt, ebenso wenig zentrale Zeugen, bevor die Ermittlungen faktisch endeten. 

  Eva-Maria Holzleitner: Wer ist die neue Co-Chefin der SPÖ?

Neu veröffentlichte Informationen, erklärte Hochul, hätten ihr Vertrauen und das der Öffentlichkeit …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 2 times, 2 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.