
Die Dienstleistungsgewerkschaft Vida schlägt für die kommende Herbstlohnrunde ihre Pflöcke ein. Für die rund 288.000 Beschäftigten in fünf Branchen fordert Vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit „den vollen Ausgleich der rollierenden Inflation sowie reale Lohnzuwächse, vor allem bei den niedrigen Einkommen“.
Der Dienstleistungssektor boome, von einer Krise kann keine Rede sein und die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre habe die Inflation nicht zum Sinken gebracht. Jetzt fordere man den Anteil am wirtschaftlichen Erfolg: „Die Benya-Formel hat für uns nach wie vor Gültigkeit“, so Hebenstreit bei einer Pressekonferenz am Montag.
Die Benya-Formel, benannt nach dem früheren ÖGB-Präsidenten Anton Benya, besagt, dass die jährlichen Lohnerhöhungen der Summe aus der Abgeltung der Inflationsrate und dem Produktivitätszuwachs entsprechen sollten.
Lohnfeilschen beginnt am 12. Oktober
Weil die Metaller heuer ausfallen, startet die Herbstlohnrunde heuer am 12. Oktober mit den Kollektivvertragsverhandlungen für die Eisenbahn-Beschäftigten. Noch im Oktober folgen die privaten Autobusbetriebe, der Straßengüterverkehr und private Sicherheitsdienste. Den Abschluss machen die Handelsarbeiter. Insgesamt geht es um die Löhne von 288.000 Beschäftigten, viele davon im Niedriglohnsektor.
„Lohndrückerkartell“
Kritik übt Hebenstreit einmal mehr an der Fachkräftestrategie der Regierung. Diese setzt auf einen verstärkten Zuzug ausländischer Arbeitskräfte mittels Rotweißrot-Karte, obwohl im Inland viel zu wenige Lehrlinge ausgebildet würden und die Arbeitsbedingungen in den betroffenen Branchen schlecht seien. Eigentlich müssten bei einem Fachkräftemangel die Löhne steigen und nicht die Kontingente, doch ein „Lohndrückerkartell“ aus Wirtschaft und Regierung verhindere das. „Die einen liefern die Erzählung vom Fachkräftemangel, die anderen die gewünschten Zugangsregeln“.
Zuzug nur dort, wo zuvor Löhne erhöht wurden
Aufhorchen lässt der Vida-Chef diesbezüglich mit einem neuen Vorschlag: „Wir fordern keinen Zuzug von Arbeitskräften aus Drittstaaten in Branchen, deren Löhne in den vergangenen fünf Jahren nicht deutlich stärker gestiegen sind als die Inflation. Dieses Kriterium muss in der Fachkräftestrategie verankert werden.“
Löhne finanzieren Sozialstaat und Gemeinden
Der Gewerkschafter verwies auch auf die Bedeutung der Lohnabschlüsse für den Sozialstaat und die Gemeinden. Immerhin hängen rund 75 Prozent des Steueraufkommens direkt oder indirekt an Löhnen und Gehältern. „Nur ein Prozent weniger Lohnentwicklung im Dienstleistungssektor kostet rund 204 Millionen Euro an Steuern und 385 Millionen Euro an Sozialbeiträgen. Niedrige Löhne sind keine Budgetdisziplin. Sie reißen Löcher in die Kassen von Sozialstaat und Gemeinden.“
Eisenbahner-KV: Forderungen bereits übermittelt
Bereits an die Arbeitgeber übermittelt wurden die Lohnforderungen für die rund 55.000 Beschäftigten in insgesamt 98 österreichischen Eisenbahnunternehmen. Verhandlungsauftakt ist der 12. Oktober, die rollierende Inflation der vergangenen zwölf Monate liegt bei rund 3,2 Prozent. Der neue KV soll am 1. Dezember beginnen. „Gehe von guten und positiven Verhandlungen aus“, sagt Vida-Chefverhandler Gerhard Tauchner.
Die Eisenbahnbranche boome sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr. Durch den Fachkräftemangel gebe es hohe Überstundenleistungen und nicht konsumierten Resturlaub. Die Dienste würden durch eine steigende Zahl von Übergriffen auf das Zugpersonal sowie auch zunehmende Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit härter. Tauchner will den KV für alle 95 Eisenbahnunternehmen harmonisieren und die Sicherheit verbessern. Am Ende müsse aber auch der Gehalt stimmen
Akuter Fachkräftemangel bei Lkw- und Buslenker
Auf den akuten Fachkräftemangel bei Lkw- und Buslenker/innen verweist Anil Zümrüt, Vorsitzender des Fachbereichs Straße bei der Vida. „Es fehlen rund 8.000 Lenkerinnen und Lenker, ein Drittel sind über 50 Jahre, wir haben …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



