Barenboim in Wien: Die Weisheit eines Dirigentenlebens

Kultur

In den vergangenen Jahren musste Daniel Barenboim aus gesundheitlichen Gründen immer wieder Konzerte absagen. Anfang 2025 erreichte die Nachricht von der Parkinson-Erkrankung des heute 83-jährigen Dirigenten die Klassikwelt. Doch er ist zurück. In Berlin rief er sogar ein Festival für sein West-Eastern Divan Orchestra ins Leben, das er am 11. November mit dem Pianisten Lang Lang eröffnet. Doch zuvor kehrte er am Pult seines Orchesters in den Wiener Musikverein zurück.

Das Programm änderte er kurzfristig ab, die „Dritte“ Beethoven ersetzte er durch Robert Schumanns dritte Symphonie. Mit Franz Schuberts „Unvollendeter“ gab er den Auftakt. Rätselhaft getragen hob er diese Symphonie in h-Moll an. In manchen Passagen war es, als würde er die Zeit anhalten wollen. In Rekordlänge geriet die Horn-Überleitung. Das Faszinierende daran aber war, dass jede Passage mit Tiefsinn aufgeladen war. Das war kein künstliches Dehnen, kein gekünsteltes Zelebrieren, sondern so, als würde ein Musiker seine Lebensweisheiten in Tönen formulieren.

Die Auszüge aus Richard Wagners „Tristan und Isolde“ wurden zum Ereignis. Er war der erste Dirigent, der in Israel Wagner dirigierte. Seine besondere Beziehung zu diesem Komponisten drückte sich in jeder Phase aus. So intensiv sind Sinnlichkeit und Schmerz selten zu spüren. Atemberaubend war das. Die Musikerinnen und Musiker seines Orchesters gaben alles. Das war nicht wenig. Nicht nur das Englischhorn klang ausgezeichnet, die schillernd, schimmernden Klangfarben der Streicher sind hervorzuheben. Verstörend schön das Wogen im „Liebestod“, das langsame, sanfte Verlöschen.

Auf den Abschied von der Welt folgte nach der Pause der Kontrast mit Schumanns „Rheinischer“. Diese Symphonie in Es-Dur bildet den Frohsinn ab, der man den Rheinländern nachsagt. Barenboim hob den Volksfestcharakter hervor und wurde mit Ovationen gefeiert.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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