Literatur-Nobelpreis-Prognosen: Wahrscheinlich eine Frau, aber welche?

Kultur

Eigentlich wäre heuer wieder eine Frau dran. Zuletzt hat das Nobelpreis-Komitee jedes Jahr abgewechselt. Vor László Krasznahorkai im vergangenen Jahr wurde 2024 Han Kang ausgezeichnet, vor Jon Fosse 2023 erhielt Annie Ernaux 2022 den Preis und vor Abdulrazak Gurnah 2021 wurde Louise Glück 2020 prämiert. Ein Muster? Angemessen wäre es, also mindestens. Es gibt schließlich einiges aufzuholen: Der Frauenanteil beim Literatur-Nobelpreis liegt immer noch bei nur circa 15 Prozent.

Eine Frau führt die Favoritenlisten diesmal auch an, die Chinesin Can Xue. Sie gilt als wichtigste Vertreterin der experimentellen literarischen Avantgarde Chinas. Sie wäre nach dem 2012 ausgezeichneten Mo Yan erst die zweite Literaturnobelpreisträgerin dieses Landes. Sie verfasst ihre Texte mit der Technik der „Ecriture automatique“: Jeden Tag lässt sie die Worte ohne Vorbereitung fließen und verzichtet auf Nachbearbeitung.

Moderne Mythen

Bei den Wettquoten liegt eine andere Frau voran, die kanadische Poetin Anne Carson. Die Altphilologin ist bekannt dafür, in ihrer Lyrik mythologische Stoffe in die Moderne zu übertragen – das wäre eine recht passende Wahl im Jahr, in dem „Die Odyssee“ in IMAX-Kinos die Massen erreicht hat. In ihren Büchern vereinen sich Lyrik, Prosa, Drama und Essay.

Auch aus Kanada stammt eine ewige Favoritin: Margaret Atwood. Die ist Kummer gewöhnt, schon 2017 hat sich der damalige Preisträger Kazuo Ishiguro bei ihr entschuldigt, dass er und nicht endlich sie erwählt worden ist. Eine weitere alte Bekannte auf der Liste ist die Russin Ludmila Ulitskaja. Die vehemente Putin-Kritikerin („Ich kann Politik nicht leiden, aber die Situation zwingt mich, politisch zu sein“) holt jüdische und russische Erzähltradition in die Moderne. 2014 erhielt sie den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. Das verbindet sie mit Lidia Jorge, der portugiesischen Autorin wurde dieser Preis heuer verliehen. Ihr werden von den Buchmachern genauso gute Chancen auf den Literatur-Nobelpreis eingeräumt wie Atwood, Ulitskaja oder Michel Houellebecq.

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Vielleicht eine Mexikanerin?

Und wie der Mexikanerin Cristina Rivera Garza. Ihr wurde 2024 der Pulitzer-Preis für den Roman „Lilianas unvergänglicher Sommer“ zugesprochen. Darin folgt die in den USA lebende Soziologin und Schriftstellerin in Mexiko den Spuren ihrer als junger Frau ermordeten Schwester.

Wie üblich wird auch auf einen Literatur-Nobelpreis für Salman Rushdie, Haruki Murakami, Thomas Pynchon und Mircea Cărtărescu spekuliert. Aus österreichischer Sicht interessant – und überraschend: Norbert Gstrein wird bei den Wettquoten mit derselben Quote gehandelt wie Rushdie, US-Autor Don DeLillo, der Ire Colm Tóibín oder Emmanuel Carrere aus Frankreich – im Mittelfeld.

Keine Favoritenliste kommt ohne Australier Gerald Murnane aus – er wurde nicht erst im vergangenen Jahr hoch gehandelt. Dem 87-Jährigen, der erst spät international entdeckt wurde, attestiert man „hypnotisierende Prosa von akrobatischem Bau“. Von der New York Times wurde er einmal der „größte lebende englischsprachige Schriftsteller, von dem die meisten Menschen noch nie etwas gehört haben“, genannt. Eigentlich die beste Voraussetzung für den Nobelpreis für Literatur.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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