Deep Purple in Wien: Spaß, Leidenschaft und Musikalität statt hoher Töne

Kultur

Die Deep-Purple-Streithähne, Sänger Ian Gillan und Gitarrist Ritchie Blackmore, zusammen auf einer Bühne? Das war 33 Jahre lang undenkbar. Bis zum 12. 8. 26, als der 1993 ausgestiegene, für den Deep-Purple-Sound so prägende Blackmore beim Auftritt seiner Ex-Band im Jones Beach Theater im US-Bundesstaat New York zur Zugabe auf die Bühne kam.

So glücklich war man Montag in der Wiener Stadthalle nicht.

Deep Purple haben sich aber auch für diesen Auftritt etwas Besonderes einfallen lassen: Zum Keyboard-Solo von Don Airey holte das Quintett, bei dem von der legendärsten Besetzung neben Gillan noch Drummer Ian Paice und Bassist Roger Glover dabei sind, die österreichische Geigerin Lidia Baich auf die Bühne. Gemeinsam spielte man den Donauwalzer, und Baich blieb auch für das anschließende „Perfect Strangers“ auf der Bühne.

Auch davor zeigten die Briten deutlich, dass sie nach 58 Dienstjahren immer noch Musiker der Sonderklasse sind. Nach dem Start mit dem Klassiker „Highway Star“, bei dem Gitarrist Simon McBride das 1971 von Blackmore kreierte Solo nachspielte, legten sie mit Songs aus den jüngeren Alben los, in die sie viele Jamsessions einbauten.

Stilistische Bandbreite

McBride bewies dabei, dass er sich weder im Tempo noch in der Kreativität seiner Soli hinter Blackmore verstecken muss. Und die ganze Band überzeugte mit der stilistischen Bandbreite – von Blues über Boogie bis zum Jazz –, die sie sich zu eigen machen kann und dabei immer noch wie Deep Purple klingt.

Klar, Gillans Stimme hat mit den Jahren schon gelitten. Das hörte man in der Stadthalle vor allem bei den Klassikern, die er als junger Mann aufgenommen hat. Genau deshalb haben Deep Purple die Welthit-Balladen „Child in Time“ und „When a Blind Man Cries“ aus dem Live-Programm gestrichen. „Sometimes I Feel Like Screaming“ ist der einzige langsame Song im Set. Der lebt nicht so exzessiv von den hohen Tönen wie diese Balladen-Klassiker und gelingt Gillan in der Stadthalle gut. Und die Songs des im Juli erschienen Albums „Splat!“ sind ohnehin schon in den Studiversionen viel tiefer angesetzt, verstecken so etwaige stimmliche Mängel in den Höhen.

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Zwar sieht der 81-Jährige manchmal auch beim Singen von „Splat!“-Songs angestrengt aus. Aber wie entspannt er mit britischem Humor von der Entstehungsgeschichte mancher Songs oder seiner „40-Kilo-Katze“ Kitty erzählt, die Art, wie sich die Musiker beim Spielen angrinsen, verraten, dass alle immer noch mit Spaß und Leidenschaft dabei sind. Das hört man zum Schluss auch bei „Smoke on the Water“, dem vielleicht berühmtesten aller Hard-Rock-Songs, und dem Schlusspunkt „Black Night“.

Man hätte sich vielleicht noch ein paar Klassiker mehr (etwa „Woman from Tokyo“ oder „Speed King“) gewünscht, aber wie man als Rock-Band in Würde altern und mit über 80 Jahren eine ansprechende Show liefern kann, haben Deep Purple in der Stadthalle gezeigt.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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