Elim Chan und die Symphoniker: Märchenhafter Beginn einer künstlerischen Partnerschaft

Kultur

Vor sechs Jahren ließ Elim Chan am Pult des RSO bei ihrem Debüt im Musikverein mit Präzision und Feingefühl aufhorchen. Jetzt, vier Jahre später, ist sie designierte Chefdirigentin der San Francisco Symphony und beginnt eine auf zwei Jahre angelegte künstlerische Partnerschaft mit den Wiener Symphonikern. Die hob sie mit ihrem Debüt im Wiener Konzerthaus an.

Den Auftakt gab sie mit „Fairy Tale“ von Sofia Gubaidulina. Diese Märchenvertonung verwandelt die berührende Geschichte einer kleinen Schulkreide, die davon träumt, die Sonne, das Meer und schöne Schlösser zu malen, in  aufwühlende Klänge. Eine kleine Orchesterbesetzung, Streicher, Holzbläser, Schlagwerk, Vibraphon, Marimbaphon und ein Klavier symbolisieren die raue Welt der Schule und die Träume der Kreide.

Chan lotet die Kontraste subtil aus und entfaltet echte Klangräume. Wenn sie mit den sehr gut disponierten Streichern Sphärenklänge generiert, gerät die Musik zum Schweben.

Wie bei ihrem Musikvereinsdebüt führt sie auch im Konzerthaus mit Gidon Kremer ein ihm gewidmetes Werk auf, das vierte Violinkonzert von Alfred Schnittke. Dessen romantischer Beginn mit einer schwelgerischen Melodie schlägt bei den ersten Geigentönen jäh in schroffe Akkorde um. Der lettische Komponist hat das Werk genau auf seinen Landsmann Kremer wie einen Maßanzug zugeschnitten.

Eine immer wiederkehrende wunderschöne Weise, das Kremer-Thema genannt, wird vom Orchester kontrastiert. Dabei spart er nicht mit Pointen. So spielt der Geiger unbeirrt trotzig seinen Part weiter, während das Orchester durch Stilrichtungen und musikalische Epochen zieht. Oder die „Cadenza visuale“, wo der Solist zum Performer wird und das Spiel nur imitiert.

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Seine Zugabe, ein Stück von Valentin Silvestrov, widmet er den Leidtragenden des Kriegs in der Ukraine.

Mit Auszügen aus Sergej Prokofjews Ballett „Aschenbrödel“ und der gleichnamigen Suite, die sie selbst zusammengestellt hat, schloss Chan an den märchenhaften Beginn an. Süffige Walzer, silberne Streicherklänge, jedes Motiv mit Sinn ausgelotet, bestätigten einmal mehr ihren Ruf als eine der spannendensten Musikerpersönlichkeiten der jungen Generation. Viele Bravos!

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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