Das Ende der Rock-Pflicht: Nordirland erlaubt Schülerinnen Hosen

Politik

Alles, was sie wollten, schrieben die elfjährigen Mädchen Astrid Knox und Rhea Donnell vergangenes Jahr in einem Brief an ihren Parlamentsabgeordneten, sei, in der Mittagspause Räder schlagen zu können. Ob er ihnen helfen wollte?

Das Dilemma: In Nordirland – so wie im gesamten Vereinigten Königreich – tragen Schülerinnen und Schüler Uniformen. Doch während die meisten Schulen in den übrigen drei Ländern im Laufe der Zeit ihre Vorgaben anpassten, schreiben viele nordirische Schulen Mädchen weiterhin vor, ausschließlich in Röcken erscheinen zu dürfen. 

Und in Röcken geht das Radschlagen am Schulhof nicht so gut. 

Keine Wahl

Das ist „komisch und unfair“, erzählte Rhea vergangenen Sommer der BBC. „Ich mag es nicht, dass ich zum Röcke tragen gezwungen werde – es fühlt sich falsch an.“ Es sei wichtig, ergänzte Freundin Astrid, dass sie die Wahl hätten: „Sowohl wenn es um unsere Privatsphäre als auch unseren Komfort geht.“

Erfolgreich konnten die beiden Mädchen vergangenes Jahr die Regeln an ihrer eigenen Volksschule ändern. Doch dabei wollten sie es nicht belassen. Im März, mittlerweile zwölfjährig, hielten sie mit Chris Quinn, dem Beauftragten für Kinder und Jugendliche in Nordirland, vor dem nordirischen Parlament Stormont eine Pressekonferenz ab. 

Ihre Botschaft an den Bildungsausschuss: Gebt Mädchen die Wahl, oder vielmehr das Recht, Hosen zu tragen.

Nordirische Novelle

Ihr Engagement war nun von Erfolg gekrönt. „Ich habe in den letzten Monaten den jungen Menschen aufmerksam zugehört“, sagte Nordirlands Bildungsminister Paul Givan Mitte September. Dabei erkannte er: Rhea und Astrid waren mit ihrem Wunsch nicht die einzigen. Ab dem kommenden Schuljahr 2027 dürfen Schülerinnen nun im regulären Schulunterricht wie auch bei Sporteinheiten Hosen tragen. 

  Der Papst in Metz: Ein geeintes Europa gegen die Barbarei

Die Richtlinie ist Teil des neuen Schuluniformgesetzes und damit verbindlich.

Das Uniformgesetz wurde im Februar ursprünglich mit dem Ziel verabschiedet, Schuluniformen erschwinglicher, bequemer und nachhaltiger zu gestalten. Mehr als jede zweite Familie in Nordirland hat Schwierigkeiten, die Kosten für die Schuluniform zu stemmen; in jeder zehnten Familie haben Kinder wegen fehlender Uniform Schulunterricht verpasst. Nun wurde das Maßnahmenpaket um die Hosen-Richtlinie erweitert.

Gegen „Gott geschaffene Unterschiede“

Doch das befürworten nicht alle. Pfarrer Darryl Abernethy, Schulleiter der Portadown Independent Christian School, versteht, dass das Ministerium das Recht hat, Richtlinien als Standard für staatliche Schulen festzulegen, „aber wir im unabhängigen Sektor vertreten eine traditionelle christliche Sichtweise auf die von Gott geschaffenen Unterschiede zwischen Mann und Frau“. 

Das Ministerium greife in die Äußerung dieser Ansicht ein, obwohl es die Schule finanziell nicht unterstütze. 

Und trotzdem muss er anerkennen, dass diese Regelung auch für seine Schule gelten wird. 

Ganz ohne Röcke

Unterdessen ging eine Schule in Wales bereits dieses Schuljahr eine Stufe weiter. An der Brynteg School in Bridgend sind seit September Hosen für Mädchen wie Buben der gewünschte Standard. „Eine einheitliche, vereinfachte Schuluniform entlastet die Familien, beseitigt unnötige Unterschiede und sorgt dafür, dass sich jeder Schüler wohl und selbstbewusst fühlen kann“, hieß es im Brief an die Eltern. 

Die neue Richtlinie sei Folge einer weiblichen Fokusgruppe und neuen Forschungserkenntnissen: „Hosen sind nicht nur strapazierfähiger, wetterfest und über ein Schuljahr hinweg kostengünstiger, sondern können auch mehr Bewegungsfreiheit bieten und das Selbstbewusstsein stärken.“

Zum Beispiel zum Rad schlagen. 

…read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.