
Österreich steht mitten in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten. Globale Machtverschiebungen, technologische Umbrüche und neue geopolitische Realitäten verändern die Spielregeln. Für Unternehmen und Politik stellt sich damit die zentrale Frage, wie sich das Land in einer zunehmend dynamischen Weltwirtschaft behaupten und für die nächsten Jahre aufstellen kann. Der KURIER geht der Frage nach, wie die heimische Wirtschaft in zentralen Fragen derzeit aufgestellt ist.
Konjunktur Die jüngste Prognose aus dem September stammt von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Im Juni wurde noch ein Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,6 Prozent erwartet. Nun sollen es nur noch 0,5 Prozent sein. Grund für die Abwärtsrevision seien die inzwischen niedriger ausgewiesenen BIP-Zahlen für das erste Halbjahr 2026, so die OeNB.
Im zweiten Halbjahr dürfte sich die Wirtschaftslage laut den Ökonomen aber wieder aufhellen. Positive Impulse kämen von einem stärkeren Welthandel, davon solle die heimische Exportwirtschaft profitieren. Zudem hätte sich die Auftragslage in der heimischen Industrie deutlich verbessert. Für die beiden Folgejahre 2027 und 2028 geht die OeNB von einem Wirtschaftswachstum von 1,3 bzw. 1,2 Prozent aus.
Wie bereits bei der Prognose im Juni betonte die OeNB wieder die unsichere globale Lage. „Die Unsicherheit ist weiter sehr hoch. Es hängt davon ab, wie sich die Lage im Nahen und Mittleren Osten entwickelt. Es hängt davon ab, wie sich geopolitische Entwicklungen darstellen“, sagt OeNB-Gouverneur Martin Kocher. Eigentlich gebe es bereits seit Jahresanfang eine positive Dynamik in der heimischen Wirtschaft, der Konflikt im Nahen Osten bremse aber das Konsumwachstum und die Investitionsstimmung. Das erwartete stärkere Wachstum im zweiten Halbjahr sollte auch Schwung für das kommende Jahr geben.
Inflation Die Inflationsprognose hat die OeNB indessen von 3,2 auf 3,0 Prozent für 2026 zurückgenommen. Bei der Inflation liege Österreich mit der aktuellen Prognose im Euroraum-Durchschnitt, so Kocher. Für Österreich seien das sehr gute Nachrichten, da die Inflation im Land in der Vergangenheit deutlich über dem Schnitt der Eurozone gelegen war. Für 2027 und 2028 wird eine deutlich niedrigere Inflation von 2,3 bzw. 2,2 Prozent gesehen. Im August lag sie bei 3,2 Prozent.
„Im Sommer war die Inflation deutlich niedriger als wir erwartet haben“, begründet Doris Prammer von der Konjunkturabteilung der OeNB die Abwärtsrevision. Vor allem bei Gütern und Nahrungsmitteln sei die Teuerung gering gewesen. Bei Nahrungsmitteln habe sich die Anfang Juli eingeführte gesenkte Mehrwertsteuer auf einige Produkte positiv niedergeschlagen.
Die Senkung sei auch nahezu vollumfänglich an die Kunden weitergegeben worden. Auch die Auswirkungen der Hitze und Dürre blieben bisher überschaubar. Die OeNB hat einen wetterbedingten Aufwärtsbeitrag von insgesamt rund 0,1 Prozentpunkten zur Gesamtinflation für 2026 errechnet.
Die Energieinflation bleibe dagegen heuer noch hoch, ab dem zweiten Quartal 2027 sollten dann jedoch der Basiseffekt für den vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschock auslaufen und den Preisauftrieb dämpfen.
Arbeitsmarkt Der August hat einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit gebracht. Ende des Monats waren 375.730 Personen beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos oder in Schulung gemeldet, das bedeutet einen Zuwachs von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Während die Arbeitslosigkeit unter Männern rückläufig war, stieg die Frauen-Arbeitslosigkeit neuerlich kräftig an. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,2 Prozentpunkte auf 7,2 Prozent. Die Erwerbstätigenquote (15 bis 64 Jahre) legte in den …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



