Bundeskanzler in Montenegro: Stoppt ein Swimmingpool die EU-Erweiterung?

Politik

Ein Wasserballer als Kriegsverbrecher 

Da gibt es etwa eine Schwimmbad-Anlage in der Gemeinde Skaljari in der Bucht von Kotor. Weil die auch ein großzügiges Sportbecken hat, hat man sie nach einem bekannten Wasserball-Spieler aus dem Ort benannt: Zoran „Džimi“ Gopčević. Der ist zwar zu Hause ein Star, aber ein Feindbild in Kroatien, zumindest bei nationalistischen Gruppen. Denn Gopčević war mutmaßlich während des Jugoslawien-Krieges in den 1990ern Aufseher in einem Gefangenenlager unweit von Kotor. Dort waren Hunderte Kroaten – auch Zivilisten – inhaftiert und sollen auch misshandelt worden sein. Kroatien hat daher die Umbenennung des Schwimmbads gefordert. Die Regierung in Podgorica, für die der EU-Beitritt Vorrang hat, kam dem gerne nach, nicht aber die Gemeinde. So heißt das Bad zwar offiziell seit einigen Wochen anders, das kümmert aber vor Ort – und damit auch auf der Website – niemanden. Dort bleibt man stur und bei Gopčević.

Das königliche Schulschiff aus den 1920ern

Ähnlich geschichtslastig ist die Debatte über ein elegantes Dreimaster-Segelschiff namens Jadran, das derzeit als Touristenattraktion im montenegrinischen Tivat ankert und auch als Schulschiff für die montenegrinische Marine dient. Gebaut für die königliche Familie Jugoslawiens in den 1920ern, war es auch im sozialistischen Jugoslawien als Schulschiff im Einsatz. Damals war der Heimathafen der Jadran Split in Kroatien – und dort gehört das Schiff nach Ansicht der Kroaten auch wieder hin. Montenegro aber will davon nichts wissen.

Wer kontrolliert die Einfahrt in die Bucht?

Weniger historisch als geografisch ist der Streit mit Kroatien um die Halbinsel Prevlaka, genauer gesagt um die umliegende Meerenge. Denn durch die fahren Schiffe, also auch große Kreuzfahrer, in die Bucht von Kotor ein. Dass Prevlaka selbst zu Kroatien gehört, ist unbestritten, bei der Wasserstraße rundherum aber werden sich die beiden Nachbarländer nicht einig. Denn was Kroatien für sich beansprucht, ist nach Ansicht Montenegros nicht nur unverschämt, es würde auch dazu führen, dass Kroatien auf einmal beim touristischen Schiffsverkehr das Sagen hätte.

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Vor allem bei diesem Streit ist derzeit kein Kompromiss in Sicht, allerdings verweisen Diplomaten darauf, dass ein ähnlicher Streit um eine Hafenzufahrt zwischen Slowenien und Kroatien bis heute nicht gelöst sei – und das habe beide Länder nicht am EU-Beitritt gehindert.

Doch die Atmosphäre zwischen Montenegro und Kroatien ist derzeit besonders aufgeheizt, auch deshalb, weil der serbische Nationalisten – und davon gibt es auch in Montenegro einige mit politischem Einfluss – jede Gelegenheit nützen, um wieder mit irgendeinem heiklen Detail aus der Geschichte Streit zu schüren. Eine Statue für einen serbischen Kriegsverbrecher etwa wurde kürzlich sogar von der Regierung in Podgorica verboten, die Gemeinde im Norden Montenegros stellte sie trotzdem auf – mit entsprechendem politischen Wirbel rundherum. Wenn also Stocker und Merz am Donnerstag für ein paar Stunden in Sveti Stefan vorbeischauen, geht es auch darum, wie ein hochrangiger EU-Diplomat gegenüber dem KURIER meint, dafür zu sorgen, dass „solche bilateralen Streitereien nicht zur Hürde für einen EU-Beitritt werden.“

 

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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