Kollektivvertrag: Handelsangestellte fordern 3,8 Prozent Gehaltsplus

Wirtschaft

Die jährlichen Verhandlungen um den Handels-Kollektivvertrag (Handels-KV) haben begonnen. Die Gewerkschaft GPA präsentierte vor Journalisten ihre Forderungen.

Die Arbeitnehmervertreter verlangen demnach 3,8 Prozent mehr Gehalt. Zudem wolle man für die insgesamt 420.000 Beschäftigten und 19.000 Lehrlingen in der Branche einen Zuschlag ab der ersten Stunde Mehrarbeit erhalten wie auch für das kurzfristige Einspringen. Zudem fordert man das Recht auf planbare und verlässliche Dienstzeiten und einen Rechtsanspruch auf eine Fünf-Tage-Woche. Weiters soll die 6. Urlaubswoche früher erreicht werden können, betonte GPA-Chefverhandlerin Linda Keizer.

„3,8 Prozent gehen sich nicht aus“

Arbeitgebervertreter Rainer Trefelik reagierte erwartungsgemäß auf die Gewerkschaftsforderungen. „3,8 Prozent gehen sich schlicht und ergreifend nicht aus“, so der Bundesspartenobmann in der Wirtschaftskammer Österreich. Der Einzelhandel habe eine Umsatzrentabilität, die unter jenen der meisten anderen Branchen liege. Die Lage sei aktuell „sehr, sehr schwierig“. Genauso die Personalsituation: Die Zahl offener Stellen sei im ersten Halbjahr um 12,8 Prozentpunkte gesunken, die Arbeitslosigkeit um 5,4 Prozentpunkte gestiegen.

Beide Seiten erwarten heuer langwierige Verhandlungen. Im Vorjahr war es relativ rasch gegangen, nach drei Runden waren sich die Sozialpartner einig. Damals gab es ein Gehaltsplus von 2,55 Prozent. Die den Verhandlungen zugrunde liegende Jahresinflation lag bei drei Prozent. Heuer beträgt die rollierende Inflation 3,3 Prozent, ein Abschluss darunter würde einen Reallohnverlust bedeuten. Die Beschäftigten im Handel haben bereits drei Jahre mit realem Einkommensverlust hinter sich, betont Keizer.

Zudem seien die Anforderungen im Arbeitsalltag gestiegen. Einer GPA-Umfrage unter Handelsangestellten zufolge traue sich nur ein Drittel der Befragten zu, gesund bis zur Pension im aktuellen Beruf bleiben zu können.

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Der Handel wuchs 2025 mehr als erwartet

Die GPA-Chefverhandlerin widerspricht Trefeliks Darstellung der wirtschaftlichen Situation im Handel und rechnet Zahlen aus der Wirtschaftsforschung vor: So habe sich das Jahr 2025 mit plus 1,9 Prozent nominellem und 0,6 Prozent realem Wachstum besser entwickelt als erwartet. Im ersten Halbjahr 2026 lag das Wachstum bei 3,0 Prozent nominell und real bei 0,1 Prozent. „Das WIFO prognostiziert für 2026 ein Wachstum von 0,8 Prozent. Und die Zahl der Insolvenzen ist im Vergleich zum Vorjahr sogar gesunken“, so Keizer.

Trefelik hingegen betont, dass Gehaltssteigerungen aus höheren Erträgen finanziert werden müssten, die es nicht gebe. Auch würde eine höhere Kaufkraft nicht automatisch zu mehr Konsumausgaben führen. Höhere Abschlüsse in früheren Jahren hätten nach seinen Angaben nicht die erwarteten Impulse im Handel gebracht. Auch der früheren sechsten Urlaubswoche erteilt Trefelik eine Absage. Diese sei eine Arbeitszeitverkürzung und als solche „ein schwieriges Signal“. Zudem stimme es oft nicht, dass Beschäftigte die zusätzlichen Urlaubstage erst nach 25 Jahren Zugehörigkeit zu einem Unternehmen erhielten, real seien es rund 18 Jahre.

1.949 Euro netto bei Vollzeit

Das durchschnittliche Vollzeitgehalt im Handel beträgt aktuell 2.586 Euro brutto, was 1.949 Euro netto entspricht – bei einer Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden. Bei einem 25-Stunden-Job sinkt das Netto-Einstiegsgehalt im Handel auf 1.237 Euro. Im Handel ist die Teilzeitquote besonders hoch, mehr als jeder zweite Angestellte (57 Prozent) hat keinen Vollzeitjob. Zwei von drei Beschäftigten sind Frauen, im Einzelhandel sind es sogar fast drei Viertel.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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