
Die Polizeiakte von Hodei C. trägt den Buchstaben S – wie Sureté de L’État (Staatssicherheit). Der 34-jährige Franzose war den Behörden bereits als ein dem linksradikalen Milieu zugerechneten Gefährder bekannt, als er in der Nacht auf Sonntag als einer der mutmaßlichen Brandstifter das Rathaus von Limoges abfackelte. An seiner Seite tobte eine Gruppe schwarz gekleideter junger Männer, in ihren Rucksäcken befanden sich mit Benzin befüllte Flaschen. Noch immer steht die Stadt unter Schock. Dienstag früh wurde Hodei verhaftet.
Ein Anführer oder Befehlsgeber durchgeplanter Gewalttaten ist der Verdächtige nicht. Als polizeibekannter Radikaler gehört er vielmehr jener losen Gruppe ultralinker, gewaltbereiter Agitatoren an, die Frankreichs Regierung als „Schwarzen Block“ bezeichnet. Ganz in Schwarz gekleidet, oft mit Sturmhaube auf dem Kopf und mit verhüllten Gesichtern ziehen sie los, um gegen die Polizei zu kämpfen und Symbole des Kapitalismus – in Frankreich sind etwa McDonald’s-Filialen – und des Staates, etwa ein Rathaus, zu zerstören.
Einige werfen mit Pflastersteinen, schlagen Schaufenster ein, andere bringen Feuerwerkskörper und Molotowcocktails mit, andere schimpfen und provozieren, wen sie als ihren Feind ansehen. Der Gegner, den es aus ihrer Sicht zu schwächen, am besten zu stürzen gilt – das sind die „Kapitalisten“, die herrschende Gesellschaftsordnung, der Staat und sein Werkzeug, die Polizei, die Rechtsextremen, die Identitären.
„Sie sehen sich selbst durchaus als Elite“
In Frankreich wird der harte Kern des Schwarzen Blocks auf rund 5.000 meist junge Männer geschätzt. Aber als Gruppe dürfe man sich den Block nicht vorstellen, sagte Extremismusforscher Nicolas Stockhammer (Universität für Weiterbildung Krems): „Er ist ein loser Zusammenschluss besonders militanter Akteure aus dem linksextremen Spektrum. Man will bewusst keine Führungsfigur, wie sie etwa die Identitären mit Martin Sellner haben. Sie begreifen sich aber durchaus als eine Art Elite.“ Als militante Anti-Kapitalisten, militante Anti-Faschisten, die den Staat destabilisieren, im Extremfall sogar einen Umsturz einleiten wollen. Mit welchem Ziel? So weit reicht die destruktive Ideologie des Schwarzen Blocks nicht. Parteien oder organisierte Ordnungsstrukturen lehnt ab, wer sich selbst als anarchistisch bezeichnet.
Um dabei zu sein, kann es reichen, sich schwarz anzuziehen und sich die Sturmhaube überzustülpen. „Manche gehen spontan zu den Demos und wollen einfach nur Krawall machen“, schildert Student Lukas dem KURIER. Der Soziologiestudent hat Kenntnis von Aktivitäten des Schwarzen Blocks, lehnt sein Vorgehen kategorisch ab. „Über Chatgruppen oder Kettennachrichten erfahren die Leute, wo was los sein wird.“ Bei Protesten gegen den Akademikerball etwa oder bei Aufmärschen der Identitären – oder auch nur bei Studentenprotesten.
Auch wenn in Österreich der harte Kern der Schwarzen-Block-Anhänger höchstens auf einen „zweistelligen Bereich geschätzt wird“, wie Extremismusforscher Stockhammer sagt, „darf man sie nicht unterschätzen. Der Verfassungsschutz beobachtet sie aus gutem Grund.“ Bisher habe sich die linksextreme Gewalt in Form von Sabotage gezeigt oder Sachschäden, aber nicht als Angriffe gegen Politiker. Doch bei Polizisten gibt es weniger Zurückhaltung – mehrere Dutzend verletzte Polizisten, einige mit schweren Brandwunden vom vergangenen Protestwochenende in Frankreich zeugen davon.
Der Schwarze Block hat die zunächst landesweiten friedlichen Proteste am Wochenende in weitverbreitete Ausschreitungen und Plünderungen verwandelt. Maßgeblich zur Eskalation trugen aber auch gewaltbereite Jugendliche aus den Vorstädten bei – die, wie die Pariser Polizeipräfektur …read more
Source:: Kurier.at – Politik



