
Das Vermögen der Reichen in Österreich ist seit der Teuerungskrise im Jahr 2021 stärker gewachsen als das ärmerer Bevölkerungsgruppen. Der Zuwachs bei den reichsten fünf Prozent der privaten Haushalte betrug laut Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) zuletzt 29,3 Prozent oder 1,16 Millionen Euro.
Das sei in absoluten Zahlen 163 Mal so viel wie der Vermögenszuwachs der ärmeren Hälfte der Bevölkerung, sagt ÖGB-Ökonomin und Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth zum KURIER. Im Schnitt verfügten die reichsten fünf Prozent im vierten Quartal 2025 über ein Haushaltsvermögen von 5,12 Millionen Euro.
Vergleichsweise bescheiden nimmt sich der Vermögenszuwachs der ärmeren Hälfte der Bevölkerung aus. Er beläuft sich seit 2021 durchschnittlich auf 7.100 Euro oder 24,9 Prozent. Die unteren 50 Prozent der Haushalte kamen Ende vergangenen Jahres auf ein durchschnittliches Nettovermögen von 35.700 Euro.
„Angstsparen“
Gewachsen sind bei den unteren 50 Prozent vor allem die Spareinlagen. Schuberth führt das auch auf „Angstsparen“ angesichts von Krise, Inflation und Arbeitslosigkeit zurück. Der Rückgang bei Immobilienkrediten, die sonst Teil der Schulden wären, habe sich positiv auf das Nettovermögen ausgewirkt. Umgekehrt ist das Immobilienvermögen, bei der unteren Hälfte zurückgegangen: „Immer weniger könnten sich kreditfinanzierte Immobilien leisten“, sagt die Ökonomin.
Den größten Beitrag zum Vermögenszuwachs der Reichen lieferten in den vergangenen Jahren Immobilien und Unternehmensvermögen, insbesondere GmbHs. 94,5 Prozent des gesamten Unternehmensvermögens befinden sich im Besitz des reichsten Zehntels der Bevölkerung. Fonds und Aktien haben trotz des vergleichsweise niedrigen Anteils, ebenfalls deutlich zum Vermögenszuwachs beigetragen.
Im EU-Spitzenfeld
Die reichsten fünf Prozent besitzen weit mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens. Der Anteil beträgt 53,5 Prozent. Außer in Kroatien, wo er sich auf 54,5 Prozent beläuft, ist er nirgendwo in der EU höher. Der Durchschnitt der Eurozone liegt im Vergleich dazu bei 44,5 Prozent.
Im EU-Vergleich liegt Österreich seit Jahren im Spitzenfeld. Gründe dafür sieht Schuberth in den steuerlichen Rahmenbedingungen, insbesondere im Fehlen von Erbschafts- und Vermögenssteuer. „Fast nirgendwo ist Vermögen so ungleich verteilt, aber gleichzeitig wird Vermögen fast nirgendwo so wenig besteuert“, kritisiert die Ökonomin.
Der zuletzt von der ÖVP geforderten steuerfreien Aktienveranlagung zur Pensionsvorsorge kann sie wenig abgewinnen. Sie würde bedeuten, dass die Vermögenskonzentration weiter zunehme, sagt Schuberth. Denn Aktien und Fonds werden überproportional von den reichsten fünf Prozent und ganz stark vom reichsten Prozent der Haushalte gehalten.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



