Trump drängt Selenskij: „Es geht um Diesel, Diesel, Diesel“

Politik

Ausgerechnet jetzt, zur Hochphase der Erntesaison, sehen sich Landwirte in den gesamten USA mit rekordhohen Dieselpreisen konfrontiert: 6,51 Dollar beträgt derzeit der Preis pro Gallone (entspricht 3,785 Litern): Was auch für europäische Bauern hohe Kosten wären, scheint Landwirten in den USA geradezu unzumutbar – die Preise sind allein im vergangenen halben Jahr um mehr als 70 Prozent gestiegen.

US-Präsident Donald Trump sieht offenbar nur einen Weg, einen weiteren Anstieg der Dieselpreise zu verhindern: Die Ukraine solle aufhören, Raffinerien in Russland mit Drohnen anzugreifen. Am Dienstagabend, bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij am Rande der UN-Generaldebatte in New York, wollte Trump Druck machen. Schon zwei Tage zuvor, unmittelbar nach dem jüngsten Angriff auf eine Raffinerie bei Moskau, hatte Trump zum Telefonhörer gegriffen und in Kiew angerufen. Seine wichtigste Botschaft lautete dabei: „Diesel, Diesel … Diesel“, sagte er, wie zwei ukrainische Beamte später der Financial Times schilderten, und er forderte Selenskij auf, dem Militär zu befehlen, die Drohnen- und Raketenangriffe einzustellen. So könne sichergestellt werden, dass russische Lieferungen auf den Weltmarkt gelangen könnten und die wachsende Dieselknappheit mildern.

Tags darauf schrieb Trump auf Truth Social: „Russland hat die Kontrolle über seine Dieselindustrie verloren.“ Und: „Dieser absurde und endlose Krieg mit der Ukraine muss beendet werden.“

Eine Bürde für die Republikaner

Der immer teurere Diesel ist ein großes Thema im laufenden Wahlkampf für die amerikanischen Kongresswahlen – und eine Bürde für die Republikaner. Dabei hatte Trump bei seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren noch vollmundig versprochen, die Energiekosten zu halbieren. 

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Dass Selenskij einseitig die Angriffe einstellt, gilt als ausgeschlossen. Denn Russland setzt seine tödlichen Raketen- und Drohnenangriffe auf ukrainische Ziele nahezu pausenlos fort und greift dabei Energieinfrastruktur, Tankstellen, Lagerhäuser und andere Betriebe an. Sollte aber ein Waffenstillstand ausgehandelt werden, an den sich auch Moskau halte, und den die USA garantierten, werde auch die Ukraine die Angriffe stoppen, stellte Selenskij klar.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte den Streitkräften zuletzt befohlen, als Reaktion auf die ukrainischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur seines Landes eine großangelegte Luftangriffskampagne vorzubereiten. „Sie greifen unsere Anlagen an. Sie werden eine Antwort bekommen. So einfach ist das“, sagte er.

Alle bisherigen Bemühungen der USA, einen beidseitigen Stopp der Angriffe auf die Energieinfrastruktur zu vermitteln, sind gescheitert. Dieselkraftstoff ist für den US-Präsidenten vor den Zwischenwahlen zu einer gefährlichen politischen Belastung geworden. Wobei allerdings nicht nur der russische Krieg gegen die Ukraine, sondern vor allem der Krieg der USA und Israels gegen den Iran die Preise in die Höhe haben schnellen lassen.

Washington versucht seit Wochen, neue Gespräche zwischen Moskau und Kiew voranzubringen. Trumps Gesandte Steve Witkoff und Jared Kushner reisten Anfang September in beide Städte. In der Vorwoche unterzeichnete Trump sogar ein Gesetz, das ihm Strafzölle von 100 Prozent auf große Käufer von russischem Öl und Gas erlaubt.

Für die Ukraine bleibt aber vorerst der Ausbau der Luftabwehr von größter Bedeutung. Kiew hofft auf weitere Patriot-Abfangraketen aus den USA und verhandelt über Lizenzen für eine eigene Produktion. Die US-Regierung billigte zuletzt auch einen möglichen Verkauf von Luftabwehrsystemen im Wert von 2,7 Milliarden US-Dollar (rund 2,4 Milliarden Euro).

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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