Chef der Milchgenossenschaft NÖ: „Bei einem Liter Vollmilch zahlen wir drauf“

Wirtschaft

Leopold Gruber-Doberer ist Geschäftsführer der Milchgenossenschaft Niederösterreich (MGN) und steht somit für 2.200 Milchbauernfamilien in Niederösterreich, dem Burgenland und der östlichen Steiermark. Warum die Zahl der Milchbauern konsequent sinkt, ein Liter Frischmilch die Bauern mehr kostet, als er einbringt, und Partnerschaften zunehmend wichtiger werden, um dem Handel die Stirn zu bieten.

KURIER: Heuer ging es stark um die Landwirtschaft, um Ernteausfälle und Hitzerekorde. Wie geht es Österreichs Milchbäuerinnen und Milchbauern?

Leopold Gruber-Doberer: Das Jahr 2026 war wirklich geprägt von einer extremen Dürre, so etwas haben wir noch nicht erlebt. Viele Betriebe wussten nicht, wie es weiter geht, viele haben begonnen, Bestände abzustocken. Aber das ist eine gefährliche Entwicklung, weil jede Kuh, die in den Schlachthof geht, fehlt nächstes Jahr.

Die Milchgenossenschaft ist Miteigentümer der NÖM. Diese hat ein 8,1-Millionen-Euro-Hilfspaket für Milchbauern geschnürt. Wie viel ist bereits angekommen

Vergangene Woche haben wir schon die erste Tranche ausbezahlt, das waren circa 3,5 Millionen Euro. Die Bauern haben noch bis 31. Oktober Zeit, Rechnungen einzuschicken. Die Verpflichtung ist, auch 2027 Milch an uns zu liefern, nämlich das ganze Jahr hindurch.

Die Zahl der Milchbauern sinkt – die AMA spricht von einem historischen Tiefstand. Ende 2025 gab es nur mehr 20.811 milchliefernde Betriebe in Österreich. 746 haben ihre Betriebe im Laufe des Jahres eingestellt. Wie geht es weiter?

In den Jahren 2022 bis 2024 hatten wir einen Rückgang bei den Lieferanten um bis zu vier Prozent. 2025 war wirtschaftlich ein vernünftiges Jahr, aber auch da hatten wir einen Rückgang von 2,5 Prozent und diese Situation wird weitergehen.

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Meist trifft es nicht die großen Produzenten, sondern eher die kleinen.

Gemessen am europäischen Wettbewerb sind wir relativ kleinstrukturiert. Wir haben auch viele Betriebe, die im Nebenerwerb geführt werden, und wo man sich fragt: „Tu ich weiter oder nicht?“ Aber all diese Betriebe prägen unsere Landschaft. Mit jedem Bauer, der die Tür schließt, geht auch ein Stück Kultur verloren. Vor dem warne ich. In Holland gibt es einen großen Betrieb und rundherum nichts mehr, da gibt es auch keine nachbarschaftliche Kommunikation. Solche Entwicklungen sollten wir mit großer Sorge sehen, denn ein Bauer, der aufhört, beginnt nicht mehr.

Die Betriebe werden weniger, die Anlieferungsmenge steigt. Wie geht sich das aus?

Der Betrieb, der sich vergrößert, hat den Druck mehr zu machen. Meistens ist er in einer Investition, da ist er gezwungen dazu, mehr zu produzieren. Und jetzt sind wir genau in der Situation: Kosten steigen und Erlöse sinken.

Was verdient ein Bauer an einem Liter Milch?

Eine pauschale Aussage ist ganz schwierig. Wir haben heuer Monate gehabt, wo man nichts verdient hat. 2025 hatten wir einen Milchpreis am Ende des Jahres von 55 Cent netto, heuer hatten wir 42 Cent netto, das sind 13 Cent Unterschied. Dass es bei 55 Cent wirtschaftlich interessant war, ist klar, bei 42 Cent zahlst du drauf.

NÖM fusionierte vergangenes Jahr mit der Vorarlberg Milch. Kürzlich hat die Berglandmilch, die größte Molkerei Österreichs, einer Fusion mit der Obersteirischen Molkerei zugestimmt. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?

Wenn man sieht, wie konzentriert der Handel ist, und welche Macht von ihm ausgeht, kann diese Strukturveränderung in der Milchwirtschaft nur die …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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