
Andreas Widhölzl wird am 14. Oktober 50. Der Tiroler ist der Einzige, der als Skispringer und als Trainer Olympiasieger wurde und die Vierschanzentournee gewinnen konnte.
KURIER: Ein Gedankenspiel: Sie sitzen heute am Bergisel auf dem Zitterbalken. Würden Sie herunterspringen?
Andreas Widhölzl: Am Bergisel müsste ich jetzt nicht unbedingt runter. Mein letzter Sprung war 2017, damals war ich Co-Trainer und bin noch jedes Jahr ein, zwei Mal gehupft. Ich würde schon auch heute noch irgendwie runterkommen. Aber erstens habe ich keine Motivation mehr, zweitens muss ich keinem mehr etwas beweisen, und drittens bin ich eingerostet und steif. So würde es keinen Spaß machen.
Denken Sie denn noch wie ein Skispringer?
Auf jeden Fall versuche ich, mich in die Springer hineinzuversetzen und mir deren Sichtweise vor Augen zu führen. Weil ich eben auch viele Dinge selbst erlebt habe. Das hilft mir heute als Trainer: Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es den Springern geht und wie man gewisse Probleme löst.
Wie blicken Sie heute auf Ihre eigene Springer-Karriere zurück?
Ich bin sehr d’accord mit meiner Karriere. Natürlich ist man im Rückblick immer gescheiter. Wäre ich in gewissen Sachen vielleicht eifriger und konsequenter gewesen, dann hätte noch mehr rausschauen können. Aber damals war alles auch noch nicht so verbissen und professionell.
Was war denn anders?
Zu unserer Zeit ist halt der Spaßfaktor noch mitgesprungen. Man ist am Abend nicht im Hotelzimmer herumgesessen, sondern auf ein Bier gegangen. Heute ist alles strukturiert und durchgeplant. Das Training ist auf die Athleten individuell abgestimmt, bei uns hat es noch die Devise gegeben: Friss oder stirb!
Hat man zu Ihrer Zeit schon gut vom Skispringen leben können?
Wir waren die erste Generation mit Preisgeld, aber das hat es nur für die ersten sechs gegeben. Geld war aber nie mein Antrieb. Ich weiß noch, dass man mir nach meinem Tourneesieg 30.000 Schilling geboten hat, damit ich zu einer TV-Show nach Berlin komme. Das habe ich dankend abgelehnt, weil ich die Zeit lieber mit meiner jungen Familie verbringen wollte. Auf die 30.000 Schilling habe ich geschissen.
Sie sind zusammen mit Andreas Goldberger gesprungen, um den sich damals alles gedreht hat. Wie war das für Sie als Teamkollegen?
Am Anfang war die Hysterie groß, als Junger stehst du da natürlich im Schatten. Ich war dem Goldi den Rummel aber nie neidig, weil mir das eh alles zu stressig ist. Ich war schon immer sehr froh, wenn ich meine Ruhe hatte. Ich erinnere mich aber, dass es damals manchmal schon auch nervig war.
Inwiefern?
Weil sich im Team eben alles nur auf einen fokussiert hat. Auch von der Betreuerseite. Es wurde im Grunde fast immer das gemacht, was für den Goldi gut war. Auf den Rest ist nicht so eingegangen worden. Diese Zeit hat mich geprägt, gewisse Sachen mache ich als Trainer ganz anders.
War das denn immer klar, dass Sie einmal im Trainerjob landen würden?
Ich habe Sozialpädagogik studiert und im Skiclub Wörgl mit den ganz Kleinen trainiert. Wenn du mit Kindern arbeitest, merkst du schnell, ob du gut bist. Wenn sie nicht mehr zum Training kommen, weißt du, dass du was falsch gemacht hast. Ich …read more
Source:: Kurier.at – Sport



