
Bekommt Andreas Babler einen Sonder-Job in der Gewerkschaftsbewegung? Oder dockt er möglicherweise in der Volkshilfe an?
Nachdem sich der amtierende Vizekanzler und SPÖ-Chef laut partei-internem Zeitplan mit Anfang Jänner zurückziehen soll, wird in der Sozialdemokratie seit Tagen nachgedacht, welche längerfristige Job-Perspektive man für ihn aufspannen kann. Die erwähnten Arbeitgeber gehören zu jenen, die aufgrund von Bablers inhaltlichen Lieblingsthemen (Soziales, Armutsbekämpfung) als plausibel erscheinen.
Fakt ist allerdings: Im ÖGB wurde bereits heftig dementiert, dass Babler dort anheuert oder, dass ÖGB-Boss Wolfgang Katzian ihn „versorgen“ werde. Und auch in der Volkshilfe empfindet man die in der SPÖ zirkulierenden Überlegungen, Babler in die Hilfsorganisation zu hieven, nicht als Auszeichnung, sondern als Belastung.
Image-Schaden
Gründe dafür gibt es viele.
Da ist zunächst einmal die interne Sicht der Dinge: Die Volkshilfe ist partei-unabhängig und nimmt image-mäßig Schaden, wenn der Eindruck entsteht, partei-politische Zugehörigkeiten würden für eine Anstellung eine Rolle spielen.
Ein weiterer Aspekt: In der Volkshilfe arbeiten hoch qualifizierte Mitarbeiter wie Ärzte, Krankenpfleger und spezialisierte Pädagogen. Wenn diese den Eindruck haben, dass für sie und andere „Nicht-Promis“ andere und möglicherweise strengere Anstellungskriterien gelten als für frühere Vizekanzler, hat die Organisation insgesamt ein Problem.
Und dann gibt es noch die Perspektive der Unterstützer: Als NGO (Nichtregierungsorganisation), lebt die Volkshilfe – auch – von finanziellen Spenden. Unterstützer haben in der Regel wenig bis gar kein Verständnis dafür, dass spenden-finanzierte Organisationen in die Nähe von Parteipolitik rücken.
Keine Zurufe
All diese Gründe haben Volkshilfe-Präsident Ewald Sacher am Freitag offenkundig dazu veranlasst, den Personalspekulationen und einer Aufnahme Bablers öffentlich scharf zu widersprechen. „Die Volkshilfe ist eine unabhängige Sozialorganisation und kein Vehikel, das von außen gesteuert wird“, sagt Sacher zum KURIER. „Wir arbeiten überparteilich und treffen unsere Entscheidungen nach sachlichen Kriterien – und nicht auf Basis von Zurufen durch Parteien oder aus den Medien.“
Sacher ist hörbar verschnupft ob der Optik, die von außen erzeugt wurde. „Als Präsident der Volkshilfe Österreich lade ich alle gerne ein, als ehrenamtliche Helferin oder ehrenamtlicher Helfer mitzumachen, wie es hunderte Freiwillige in allen Bundesländern tun.“ Wer hauptberuflich bei der Volkshilfe arbeiten wolle, könne die „vakanten Stellen auf den Jobportalen unserer Homepages“ sehen. Menschen mit fachlicher Eignung könnten sich gern bewerben. „Über ihre Aufnahme in den Dienst bei Volkshilfe-Einrichtungen entscheiden die jeweils zuständigen Bereiche und Gremien in objektiver Weise.“
Personalkarussell
Die bevorstehende Ablöse des Andreas Babler beschäftigt nicht nur NGOs, sondern auch die Koalition – und hier vor allem das Team der SPÖ. Wenn Babler mit Jahreswechsel zurückzieht, sollen nach derzeitigem Stand auch die Teams von SPÖ und ÖVP verkleinert werden.
Als „Wackel-Kandidaten“ gelten bei den Roten vor allem Justizministerin Anna Sporrer und Sozialministerin Korinna Schumann. Beide haben politisch zuletzt nicht wirklich überzeugt. Sporrer wird vorgehalten, justizpolitisch „nicht abzuliefern“ und insbesondere die geplante Bundesstaatsanwaltschaft vergeigt zu haben; Schumann fühlt sich bei öffentlichen Auftritten und überhaupt in ihrem großen Ministerium bis heute sichtlich unwohl; sie könnte wieder in den ÖGB zurückkehren. Einen politisch schweren Stand hat auch Bablers Vertraute Michaela Schmidt. Die Staatssekretärin ist für eine unabdingbare Aufgabe abgestellt, nämlich: die Koordinierung der Regierungsarbeit. Den Job muss und wird es auch in Zukunft weiter geben. Offen ist, …read more
Source:: Kurier.at – Politik



