
Wenn sich Simon Rueland auf ein Skirennen einstimmt, dann verschwindet er für einige Stunden in einem Kämmerchen und greift zum Bügeleisen und zur Rosshaarbürste.
Während seine ÖSV-Slalomkollegen auf der Massagebank liegen und Körperpflege betreiben, steht der Tiroler an der Werkbank und präpariert seine Ski. Für einen Weltcupslalom benötigt er vier Paar. „Zwei Rennski, einen Einfahrski und ein Paar noch zum Besichtigen“, erklärt der 29-Jährige.
Status Mittrainierer
Simon Rueland ist gerade Slalomläufer und Wachsler in einem. Das ist das Los eines Athleten, der im Frühjahr aus allen ÖSV-Kadern gestrichen wurde und nun offiziell den Status „Mittrainierer“ hat.
Im Fall von Simon Rueland bedeutet das: Er darf weiterhin an den Trainingskursen des österreichischen Slalomteams teilnehmen, musste sich aber die Reisen und Unterkünfte teilweise selbst bezahlen.
So etwa auch, als das ÖSV-Slalomteam wegen des Schneemangels in Europa kurzerhand für ein dreiwöchiges Camp nach Chile übersiedelte. „Finanziell war das schlecht für mich. Aber ich musste das investieren“, sagt Rueland. „Sonst hätte ich es gleich bleiben lassen können.“
Große Ernüchterung
Im vergangenen Winter hatte der Mann aus dem Tiroler Oberinntal auf seinen späten Durchbruch gehofft. Als Zweiter der Slalom-Europacupwertung (2024/’25) hatte Simon Rueland einen fixen Startplatz im Weltcup und konnte endlich einmal ohne Druck am Start stehen.
„Früher habe ich gewusst: Ich muss in die Top 30 kommen und Punkte holen, damit ich das nächste Rennen fahren darf. Sonst kommt wer anderer. Das ist für den Kopf nicht gerade angenehm.“
Kein Kaderplatz
Doch so erfolgreich sein Weltcupwinter gestartet war mit dem 12. Platz in Hochgurgl, so ernüchternd war der weitere Verlauf. Rueland kam in keinem anderen Slalom in die Wertung und erhielt deshalb – wie Vizeweltmeister Adrian Pertl (2021) – keinen Kaderplatz mehr.
„Schlag ins Gesicht“
„Ich war krank, wollte aber trotzdem auf Biegen und Brechen im Weltcup starten. Dann kam ein Ausfall, dann ein Fehler, dann steigt der Druck , und auf einmal bist du in der Negativspirale drinnen“, erzählt der Tiroler.
„Das war ein Schlag ins Gesicht, als es geheißen hat, dass ich keinen Platz mehr habe.“
Gute Startnummer
Simon Rueland machte sich eine imaginäre Stricherlliste und wägte nicht nur einmal alle Für und Wider ab. In Wahrheit sprach mehr für das Karriereende, aber ein Argument hatte dann Gewicht und war ausschlaggebend dafür, dass der 29-Jährige es noch einmal wissen will:
„Ich habe eine gute Startnummer und Ausgangsposition. Das habe ich meinem zwölften Platz in Gurgl zu verdanken.“
„Es liegt jetzt an mir“
Simon Rueland wird den ersten Saisonslalom in Levi vermutlich mit Startnummer 35 in Angriff nehmen. Das ist gerade in den technischen Disziplinen, wenn die Piste von Läufer zu Läufer abbaut, ein enormer Vorteil.
„Mit 70 ist es praktisch unmöglich, ich habe jetzt wirklich die Chance, mich für den zweiten Durchgang zu qualifizieren. Und dass Potenzial da ist, habe ich bei meinem zwölften Platz gesehen.“
Simon Rueland hat sich in den ÖSV-internen Testläufen vorerst ein Ticket für die ersten beiden Saisonslaloms in Levi (15. 11.) und in Hochgurgl (22. 11.) gesichert. Fortsetzung folgt, wenn er bei seinen Einsätzen aufzeigt und Weltcuppunkte sammelt. „Es liegt jetzt an mir.“
Strolz als Vorbild
An seinen Slalomkünsten, und nicht zuletzt auch an seinen Fähigkeiten als Wachsler. „Es ist …read more
Source:: Kurier.at – Sport



