In mutmaßlichem Anlagebetrugsfall wurden Millionen beschlagnahmt

Wirtschaft

Im mutmaßlichen Anlagebetrugsskandal Sun Contracting/Green Finance hat die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) Millionenvermögen sicherstellen lassen. Auf ihren Antrag hin hat das Landesgericht für Strafsachen Wien die Guthaben von zumindest zehn Bankkonten und einem Kryptowährungsdepot eines ehemaligen Managers beschlagnahmt. Es geht um mindestens rund 3,61 Millionen Euro, die auf Konten bei diversen Banken vorgefunden wurden. Mit bereits sichergestellten Liegenschaften sind insgesamt fünf Millionen Euro blockiert.

Laut den Gerichtsbeschlüssen, die dem KURIER vorliegen, sollen der Ex-Manager und vier weitere Kollegen der Solar-Firma Sun Contracting AG zwischen 2018 und 2024 Anlegergelder in die eigenen Taschen umgeleitet haben. Es geht um den Verdacht des schweren Betruges, der Untreue und der betrügerischen Krida. Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück.

Fragwürdige Geschäfte

Das Geschäftsmodell der im September 2017 in Liechtenstein gegründeten Sun Contracting AG bestand in der Bereitstellung, dem Betrieb und der Finanzierung von Photovoltaikanlagen. Dabei wurde eine Photovoltaikanlage auf der Liegenschaft eines Vertragspartners errichtet, der sich dazu verpflichtete, den durch die Anlage produzierten Strom zu vertraglich vereinbarten Kosten über eine Vertragsdauer von in der Regel 18 Jahren zu beziehen.

Die Gerichtsbeschlüsse

„Um ihre Geschäftstätigkeit zu finanzieren, vereinnahmte die Sun Contracting AG bis zuletzt Gelder von Kleinanlegern. Bis März 2023 wurden Anlegergelder in Höhe von ca. 150 Millionen Euro in der Form von Anleihen und Nachrangdarlehen vereinnahmt. Ab Mai 2023 wurden zusätzlich Anlegergelder in Höhe von mehr als 40 Millionen Euro durch den Verkauf von Namensaktien lukriert“, heißt es in den Gerichtsbeschlüssen. „Der Masseverwalter der Sun Contracting AG geht davon aus, dass insgesamt Fremd- und Eigenkapital in Höhe von 200 bis 250 Millionen Euro vereinnahmt wurde.“ Es soll der dringende Verdacht bestehen, „dass von den Kundengeldern knapp 14,5 Millionen Euro im Wege der mutmaßlichen Untreue- und Krida-Handlungen an die Beschuldigten abgeflossen sind“.

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Zusätzlich sollen bis März 2023 ca. 50 Millionen Euro Anlegergelder als Provisionen an den Vertrieb abgeflossen sein, u. a. an die Geschäftsvermittler der Green Finance Broker AG. „Mehr als ein Drittel der Kundengelder stand von vornherein nicht für Investitionen in Photovoltaikanlagen zur Verfügung“, heißt es in einem Gerichtsbeschluss. Die Beschuldigten hätten „eine positive Unternehmensentwicklung untergraben“.

Negativer Saldo

Berücksichtigt man weiters die Zinslast aus den Nachrangdarlehen, wäre die Rückzahlung nur bei überdurchschnittlichen Ergebnissen möglich gewesen. Diese blieben jedoch aus. Stattdessen erwirtschaftete die Sun Contracting 2022 Stromeinnahmen in Höhe von 1,7 Millionen Euro, deutlich weniger als die Zinslast von 3,3 Mio. Euro im selben Zeitraum.

Vorwürfe bestritten

„Die Vorwürfe sind falsch“, kontert Johann Pauer, Verteidiger des Ex-Managers. „Ich ersuche um Verständnis, dass sich mein Mandant während eines laufenden Ermittlungsverfahrens ausschließlich gegenüber der Staatsanwaltschaft äußert und keine öffentlichen Statements abgibt.“

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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