
Deutsche und österreichische Behörden haben im Kampf gegen organisierte Anlagebetrüger innerhalb von drei Monaten 9.304 Rufnummern abgeschaltet. Die Nummern wurden nach Erkenntnissen der Ermittler für systematischen Anlagebetrug über gefälschte Trading-Plattformen genutzt. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe, des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, der Finanzaufsicht Bafin und der Bundesnetzagentur hervor.
Seit Beginn der „Operation Herakles“ wurden insgesamt fast 14.000 Rufnummern vom Netz genommen – davon 13.397 deutsche und 491 österreichische. Die grenzüberschreitende Dimension zeigt das Ausmaß der kriminellen Infrastruktur, die Betrüger im deutschsprachigen Raum aufgebaut haben.
Enge Kooperation mit Österreich
Eine zentrale Rolle spielt die Zusammenarbeit mit dem österreichischen Bundeskriminalamt. Die österreichischen Ermittler identifizierten 491 Rufnummern, die von Betrügern genutzt wurden und inzwischen abgeschaltet sind. Nach Angaben der deutschen Behörden erfolgt ein „enger und vertrauensvoller Austausch“ mit den Kollegen in Wien.
Die grenzüberschreitende Kooperation ist entscheidend, da die Täter ihre Infrastruktur gezielt über mehrere Länder verteilen, um Ermittlungen zu erschweren. Rufnummern aus verschiedenen Ländern erwecken bei Opfern zudem den Eindruck seriöser internationaler Geschäftstätigkeit.
Bafin liefert Ermittlungsansätze
Bei der Identifizierung verdächtiger Rufnummern spielte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eine wichtige Rolle. Die Bafin ermittelt in eigener Zuständigkeit gegen unerlaubte Finanzgeschäfte und hat nach eigenen Angaben mit ihren Erkenntnissen die Maßnahmen „wesentlich gefördert“. Die Behörde geht seit Monaten verstärkt gegen unseriöse Trading-Anbieter vor, die ohne Lizenz in Deutschland operieren.
Die Bundesnetzagentur hat parallel aufsichtsrechtliche Maßnahmen gegen Telekommunikationsunternehmen eingeleitet. Die Unternehmen wurden verpflichtet, ihre Registrierungsprozesse zu verschärfen und die Compliance-Kontrollen bei Vertriebspartnern auszuweiten. Offenbar hatten Betrüger systematisch Schwachstellen bei der Rufnummernvergabe ausgenutzt.
Systematischer Ansatz gegen Cyber-Trading-Fraud
Beim sogenannten Cyber-Trading-Fraud locken Kriminelle Anleger auf professionell gestaltete, aber gefälschte Handelsplattformen. Über manipulierte Charts und persönliche Betreuung durch vermeintliche Broker werden Opfer zu immer höheren Einzahlungen bewegt. Auszahlungen erfolgen nicht – am Ende ist das Geld verschwunden.
Die beteiligten Behörden sprechen von einem „abgestimmten strategischen Ziel“: Die kriminelle Infrastruktur soll systematisch geschwächt und die Täter aus dem deutschsprachigen Raum verdrängt werden. Dazu wurden Verfahrenswege institutionalisiert, die es ermöglichen, „erhebliche Mengen deliktisch genutzter Rufnummern systematisch zu identifizieren“, heißt es in der Mitteilung.
Bereits 2025 hatten die Ermittler über 2.200 mutmaßlich betrügerische Domains und rund 3.500 Rufnummern abgeschaltet. Die Ermittlungen richten sich bislang gegen unbekannte Täter wegen des Verdachts der Verabredung zum gewerbsmäßigen Bandenbetrug. Konkrete Festnahmen wurden nicht mitgeteilt.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



