Aserbaidschan im Weltsport: Mit Vollgas auf die globale Bühne

Sport

Wenn die Boliden dieser Tage wieder durch Baku rasen, entstehen ein paar der ikonischsten Fotos des Formel-1-Jahres. Bakus Altstadt, die Stadtmauer, das Kaspische Meer und die Moderne Skyline – Vergleichbares gibt es im Kalender kaum.

Die Bilder wirken. Der Grand Prix in Baku ist ein starkes Marketinginstrument. Nicht nur für die Stadt, sondern auch für das Land und seine Herrscher. Und die sind nicht unumstritten.

Im vergangenen Jahrzehnt hat sich Aserbaidschan zu einem ungewöhnlich aktiven Gastgeber internationaler Sportveranstaltungen entwickelt. Auffällig dabei ist die Reihenfolge: Zuerst kam die Infrastruktur, dann die Events.

Erträge aus dem Ölboom

Die European Games 2015 waren der große Wendepunkt. Dafür wurden um wohl Milliarden Euro Sportzentren errichtet. Darunter das Olympiastadion für rund 600 Millionen Euro. Präsident Ilham Aliyev erklärte bereits 2012, moderne Sportinfrastruktur sei aufgebaut worden, bevor Baku überhaupt das internationale Multisportevent zugesprochen bekam. Es wurde also auf einen langfristigen Aufbau einer nationalen Veranstaltungsinfrastruktur für internationale Events gesetzt.

Aserbaidschans enorme Sportausgaben fielen in eine Phase hoher Öl- und Gaseinnahmen zwischen 2010 und 2015. Und überhaupt hat die Sportstrategie viel mit Öl zu tun. Das staatliche Ölunternehmen SOCAR ist Hauptsponsor vieler Sportpläne der Regierung. Seit 2013 ist SOCAR auch globaler Sponsor der UEFA.

Formel 1 bis Ski

Die Formel 1 ist inzwischen das wichtigste internationale Sportengagement Bakus. Die Premiere fand 2016 statt. Genannt – wohl aus Marketing-gründen – zunächst „European Grand Prix“, mittlerweile „Azerbaijan Grand Prix“. Der Vertrag läuft bis 2030. Neben der Formel 1 ist auch Fußball ein wichtiger internationaler Faktor (Europa-League-Finale 2019, EM 2021), und mit Ringen, Judo und Gymnastik Sportarten mit nationaler Verankerung. Aserbaidschan ist zudem selbst Sponsor, etwa vom spanischen Topklub Atletico Madrid.

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Zuletzt machte Aserbaidschan als Sponsor der FIS von sich reden. Im Vorjahr stieg das Land als Großsponsor des Weltverbands ein. Der erste Event war der Buckelpisten-Weltcup in Shahdag, nahe Baku im vergangenen März. Und: Aserbaidschan wird unter anderem bei der alpinen Ski-WM im Februar in Crans Montana als Sponsor sichtbar sein. Der ÖSV reagierte darauf mit Kritik. Auch OK-Chef Didier Defago sprach davon, dass es „nicht die beste Lösung“ sei. Die FIS verwies aber auf den „Code of Ethics“, der für alle Partner gilt.

Politisches Problemfeld

Warum macht Aserbaidschan das alles? Sport schafft der Führung des Landes Zugang zu einer internationalen Elite, die über klassische Außenpolitik schwerer erreichbar wäre. Denn das Land galt lange als Problemfeld. Im Zentrum der Kritik steht der Umgang Aserbaidschans mit der armenischen Bevölkerung von Bergkarabach. 2023 übernahm Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Hunderttausende flüchteten.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty oder Human Rights Watch werfen Aserbaidschan schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat das Land in mehreren Fällen verurteilt. Freedom House bewertet Aserbaidschan 2026 als nicht frei, mit 6 von 100 Punkten. Die Organisation beschreibt die politische Macht als stark auf Präsident Ilham Aliyev und seine Familie konzentriert, seit 2003 an der Macht, und berichtet von Einschränkungen für Opposition, unabhängige Medien und Zivilgesellschaft.

Die Millionenkosten für den Grand Prix kommen zigfach wieder zurück. Nicht nur in Form von wirtschaftlichem Nutzen, sondern auch politisch.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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