
43 Monate in Folge steigt bereits die Arbeitslosigkeit in Österreich. Frauen verzeichnen unter den arbeitslosen Personen laut AMS-Statistik im Oktober 2026 ein Plus von 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Bei Männern zeigt sich eine erfreuliche Entwicklung. Die Arbeitslosigkeit ist um 1,3 Prozent gesunken. Doch es gibt eine Personengruppe, die jeglichen Bereich mit Abstand übertrifft: Personen mit Behinderung. Sie verzeichnen im Oktober einen Anstieg der Arbeitslosigkeit von 14,5 Prozent. Explosionsartig passiert ist das nicht – das zeigt ein Blick in die Statistik.
Heuer bewegte sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit unter Personen mit Behinderung zwischen 13,9 Prozent (Jänner 2026) bis zu 18,2 Prozent (August 2026). Der Höchststand der vergangenen Jahre wurde im April 2020 erreicht – damals waren 24,6 Prozent mehr Personen mit Behinderung arbeitslos gemeldet als im Vorjahresmonat.
Ein Zufall ist das nicht, sagt Patrick Berger, Leiter des Chancen Nutzen Büros im Gewerkschaftsbund (ÖGB). Denn anhand der Arbeitslosenzahlen von Menschen mit Behinderung ließe sich immer auf die wirtschaftliche Lage rückschließen. „Läuft es wirtschaftlich nicht gut, sind Menschen mit Behinderung die Ersten, die darunter leiden“, erklärt Berger. „Das ist etwas, das man immer wieder sieht über die Jahrzehnte.“ Zugleich handle es sich um die Gruppe, die vom wirtschaftlichen Aufschwung zuletzt profitiere.
Kündigungsschutz: Wie stark greift er wirklich?
Dass Personen mit Behinderung „unkündbar“ sind, wäre laut Berger „ein absoluter Mythos.“ Der Kündigungsschutz greift nur bei einseitiger Kündigung durch den Arbeitgeber. Hier muss zuvor der Behindertenausschuss einer Kündigung zustimmen, was immer wieder vorkomme. „Es ist einfach eine zusätzliche Schleife, um die vulnerable Gruppe ein bisschen zu schützen.“ Vor einvernehmlicher Auflösung bewahrt der Kündigungsschutz nicht. Immer wieder komme es vor, dass Personen dazu gedrängt werden, berichtet Berger. Außerdem: Der Schutz gilt erst vier Jahre nach der Anstellung in einem Betrieb. Außer die begünstigte Eigenschaft tritt während der Beschäftigung auf – dann greift der Schutz schon nach sechs Monaten. Bei einem Arbeitsunfall ist der Schutz sofort aktiv.
Doch es sind nicht nur innerbetriebliche Sparkurse, die Menschen mit Behinderung in der Arbeitswelt momentan zum Verhängnis werden, so der Experte. Auch die Kürzungen von Fördergeldern sollen fatale Auswirkungen haben, mit denen man so nicht gerechnet habe.
Gravierende Kürzungen
Fördergelder, mit denen Organisationen oder Menschen mit Behinderung direkt unterstützt werden, werden „aktuell ziemlich zusammengekürzt“, kritisiert der Leiter des Chancen Nutzen Büros. „Man sieht jetzt, dass das ein ganz schlechter Schritt war für diese Gruppe von Menschen.“ Viele Projekte sollen betroffen sein. Zudem wurde u. a. der Mobilitätszuschuss für Menschen mit Behinderung halbiert. Beim Ausgleichstaxfonds, dem Finanzierungsinstrument für Inklusion im Beruf, kam es zu Nachschärfungen, um das „entstandene Delta zwischen Einnahmen und Ausgaben wieder auszugleichen“, erklärte Arbeitsministerin Korinna Schumann in einer parlamentarischen Anfrage. Der Zugang zum Arbeitsmarkt wird so erschwert – doch schon jetzt zahlen 76 Prozent der Betriebe lieber die Ausgleichstaxe als eine Person mit Behinderung zu beschäftigen.
Wann sich die Situation für wieder aufhellt, lässt sich nicht vorhersagen. „Ich glaube, dass es jetzt noch viel schlimmer wird, bevor es besser wird“, so Berger. Die wichtigste Arbeit für sein Büro wäre deshalb jetzt, Unsicherheiten, Berührungsängste und Mythen abzubauen und so Personen mit Behinderung …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



