Georg Danzers Nachlass: Das Vermächtnis des Liedermachers

Kultur

Die Wienbibliothek im Rathaus ist das Gedächtnis der Stadt. Hier werden alle Drucksorten gesammelt, die einen Bezug zu Wien haben: Bücher und Zeitschriften, Plakate und Fotos, Noten und Programmhefte. In der Handschriftenabteilung finden sich die Nachlässe berühmter Künstlerinnen und Künstler wie Friederike Mayröcker und Helmut Qualtinger, Franz Grillparzer oder Johann Strauss.

Seit gut zehn Jahren sammelt die Wienbibliothek (früher: Wiener Stadt- und Landesbibliothek) auch popkulturelle Dokumente, unter anderem wurden die Nach- bzw. Vorlässe von Sigi Maron und Beatrix Neundlinger, Geduldig & Thimann, Minisex und Drahdiwaberl in den Bestand aufgenommen. Jüngster Zuwachs ist der Nachlass des 2007 verstorbenen Wiener Liedermachers Georg Danzer, der am 7. Oktober seinen 80. Geburtstag feiern würde. Das Material, das der Wienbibliothek voriges Jahr überlassen wurde, ist inzwischen fachgerecht archiviert und ab 30. September frei zur Benützung.

Der Schmähtandler

Unter den Heroen des Austropop ist Danzer der vielseitigste. Sein umfangreiches Œuvre umfasst Nonsens-Lieder („Hupf in Gatsch“) ebenso wie beinharte Protestsongs („Gebts uns endlich Frieden“), als politischer Mahner („Ruhe vor dem Sturm“) war er genauso glaubwürdig wie als Verführer („Heute Nacht machen wir es gut“). Neben Hunderten Liedern hat Danzer auch Prosa verfasst und zwei Romane des spanischen Autors Manuel Vicent ins Deutsche übersetzt.

In Wien hatte Georg „Schurli“ Danzer seinen Durchbruch 1975 mit dem Nummer-1-Hit „Jö schau“ (das Lied mit dem „Nackerten im Hawelka“) und galt als Schmähtandler unter den Liedermachern. Seine ernsten, auf Hochdeutsch verfassten Lieder gingen ein wenig unter; die kamen dafür in Deutschland umso besser an. Um 1980, als dort Proteste gegen Atomkraft und Aufrüstung die Jugend bewegten, gehörte Danzer zu den wichtigen Stimmen. Eine Zeit lang lebte er in Hamburg und auf einem Bauernhof bei Dortmund.

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Der Danzer-Nachlass ist in 14 mausgrauen Archivboxen abgelegt und umfasst hauptsächlich Arbeitsmaterial: etwa sogenannte Leadsheets, auf denen die Gitarrenakkorde zu den Songs notiert sind, oder die Liedtexte, die der Künstler in vier Bene-Ordnern abgelegt hatte. Darunter auch solche, die es nie auf eine Platte geschafft haben; zum Beispiel hat Danzer ein paar Songs von Randy Newman ins Deutsche übersetzt (aus „Lonely at the Top“ wurde „Kalt im Rampenlicht“).

Neben solchen eher für Spezialisten interessanten Funden gibt es auch Kurioses zu entdecken, das Danzer irgendwie zwischen die Liedtexte gerutscht war. Zum Beispiel ein empörter Brief an einen Primararzt, den der Musiker wegen Rückenschmerzen konsultiert hatte und der ihn dann trotz Privattermin stundenlang warten ließ. Oder eine Polemik gegen Ö3. Der Sender werde von Mäderln und Buben gestaltet, die das 20. Lebensjahr zwar de facto längst überschritten haben, aber unter Beweis zu stellen versuchen, dass man den an sich nur temporären Status der Pubertät durch krampfhaftes Zusammenziehen der Sprache bei gleichzeitiger Lockerheit der Zunge hinüberretten kann in einen geistigen Dauerzustand. So ähnlich könnte man das heute noch formulieren.

Schön auch ein Text, den Danzer 1980 einem Auftritt beim Volksstimme-Fest vorangestellt hat: Ich möchte gleich zu Anfang klarstellen, dass ich hier nicht auftrete als Sympathisant der Volksstimme, der KPÖ oder eines jener kommunistischen Staaten, die totalitär, dogmatisch und intolerant gegen Menschenrechte und Freiheit verstoßen.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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