
Österreichs Haushalte haben erstmals ein Finanzvermögen von mehr als einer Billion Euro angehäuft. Das Finanzvermögen der österreichischen Haushalte hat im vergangenen Jahr erstmals die Marke von einer Billion Euro überschritten. Laut aktuellen Daten der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) wuchs es 2025 um rund sieben Prozent auf 1.011 Milliarden Euro.
„Die österreichischen Haushalte sind insgesamt betrachtet in den vergangenen zehn Jahren vermögender geworden“, sagte Edeltraut Stiftinger, Vize-Gouverneurin der OeNB, bei der Präsentation der Zahlen. Das Finanzvermögen sei seit 2016 um 60 Prozent gestiegen – bei einer Inflation von 35 Prozent im selben Zeitraum.
Den größten Anteil machen mit 34 Prozent nach wie vor Bankeinlagen aus, gefolgt von Beteiligungen an GmbH und Privatstiftungen (24 Prozent) sowie Wertpapieren (24 Prozent). „Die klassischen Bankeinlagen sind immer noch dominant, aber wir sehen sehr dynamische Entwicklungen vor allem bei den Wertpapieren und bei den Beteiligungen“, so Stiftinger.
Wertpapierbestand verdoppelt
Besonders stark entwickelten sich die Investitionen in Wertpapiere. Deren Bestand hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt – von 112 Milliarden Euro im Jahr 2016 auf 242 Milliarden Euro Mitte 2026, ein Plus von 117 Prozent. Neben hohen Nettozukäufen trugen auch Bewertungsgewinne zu diesem Anstieg bei. Allein im ersten Halbjahr 2026 beliefen sich die Bewertungseffekte auf 15,7 Milliarden Euro.
Sparquote sinkt auf 9,7 Prozent
Trotz des wachsenden Vermögens sank die Sparquote der Haushalte im Jahr 2025 deutlich – von 11,5 auf 9,7 Prozent. Damit fiel sie um 1,8 Prozentpunkte und liegt dennoch über dem Niveau vor der Corona-Pandemie.
„Die nominalen Einkommen der Haushalte sind gesunken“, erklärte Stiftinger. Gemeint seien nicht nur Gehälter, sondern auch Einkommen aus Selbstständigkeit, Sozialleistungen und Vermögen. Gleichzeitig habe sich der Konsum positiv entwickelt: „Die Österreicherinnen und Österreicher haben mehr konsumiert und weniger gespart.“
Das nominale Einkommenswachstum blieb mit rund einem Prozent deutlich unter der Inflationsrate von 2,6 Prozent, während der Konsum um 3,1 Prozent zulegte. Laut Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) dürfte die Sparquote 2026 weiter auf 8,4 Prozent sinken. „Dann sind wir wieder im langjährigen Schnitt“, so Stiftinger.
Im internationalen Vergleich schwankte die österreichische Sparquote in den vergangenen Jahren deutlich stärker als jene im Euroraum-Durchschnitt oder in Deutschland. 2024 sei die Sparquote in Österreich besonders stark gestiegen, „weil die Einkommen besonders stark gestiegen sind“, erklärte die Vize-Gouverneurin. Gleichzeitig habe es aber eine sehr schwache Konjunktur und hohe Unsicherheit gegeben – die Menschen seien bei den Konsumausgaben vorsichtig geblieben. 2025 habe sich das umgekehrt.
Vermögen extrem ungleich verteilt
Die OeNB veröffentlichte Daten zur Vermögensverteilung. Das Ergebnis: Das Finanzvermögen ist stark konzentriert. Rund 70 Prozent entfallen auf das reichste Zehntel der Haushalte, während die unteren 50 Prozent der Bevölkerung nur etwa zwei Prozent halten. Im Zehnjahresvergleich hat sich die Konzentration sogar verstärkt – das oberste Zehntel hält 2026 um fünf Prozentpunkte mehr als noch 2016.
Besonders ungleich verteilt sind Wertpapiere und Beteiligungen an Unternehmen oder Stiftungen. „87 Prozent der Wertpapiere werden vom reichsten Zehntel gehalten“, betonte Stiftinger. Diese Anlageformen konzentrieren sich fast ausschließlich auf das oberste Vermögensdezil, dessen Vermögensstruktur sich deutlich von jener der übrigen Haushalte unterscheidet. Die unteren 50 Prozent investieren hingegen ganz dominant in Bankeinlagen.
„Wir sehen einen ganz klaren Zusammenhang zwischen …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



