Peaches in Krems: Jetzt mal nicht rot werden

Kultur

Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. Auf das Schamhaar-Toupet, das sich Peaches da gerade auf ihre Brustwarzen geklebt hat. Oder auf den eh schon älteren Mann halblinks vor mir, der sein Leben vor lauter Fake-Haar grad gar nicht mehr fassen kann. 30 Minuten dauert das Konzert von Peaches beim Donaufestival in Krems da schon – und er hat noch keine Sekunde seinen Mund zugemacht. Steht da, mit seinen zwei Metern hoch über der wabernden Menge, Mund so weit offen wie die Augen. Zu staunen gibt’s ja auch wirklich viel.

Hemmungslos

Peaches ist das fleischgewordene LGBTIQ+-Manifest der Popmusik. Was auf Social Media sonst recht verkopft daherkommt, als Minenfeld aus falschen Bezeichnungen und empörten Reaktionen, wird bei Peaches seit 26 Jahren auf kurze, eingängige Slogans reduziert. „Fuck The Pain Away“, „Fick den Schmerz weg“, hieß es im Jahr 2000 auf ihrem Debütalbum. 26 Jahre später eben „Fuck your Face“ oder „Hanging Titties“. Das mag zunächst mal einigermaßen platt-schockierend klingen – und an anderer Stelle, von anderen Künstlern, wäre es das vielleicht auch. Bei Peaches sind diese Slogans so hemmungslos, so stolz nach außen gebrüllt, dass da kein Platz für Missverständnisse bleibt. Hier geht’s nicht ums Ansexen, nicht ums Sexy-Sein. Peaches rappt in Krems auf Electrobeats über Frauenkörper und Sexpraktiken, dass es eine reine Freude ist.

Die Botschaft? Geht dich eigentlich nichts an. Das ist mein Körper, meine Entscheidung, meine Titten. „Postmenopausale Queer-Ikone“ wird sie deswegen in ihrem Pressetext zum jüngsten Album „No Lube So Rude“ genannt. Und das trifft’s schon sehr gut.

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Spätestens als ein nicht weiter bestimmbares (wer will denn so was überhaupt noch?) Geschlechtsteil die kleine Bühne im Kremser Stadtsaal sprengt, sieht das auch der 2-Meter-Mann links vor mir so. Der offene Mund ist einem verzückten Lächeln gewichen.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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