
Die Privatnutzung von Elektro-Dienstautos wird steuerpflichtig – das wurde dem KURIER aus dem Finanzministerium nun bestätigt. Bisher wurde der sogenannte Sachbezug nur für Verbrennerautos (benzin- und dieselbetrieben) und Hybride fällig. Zwei Prozent des Anschaffungswerts und maximal 960 Euro pro Monat mussten Mitarbeiter bisher für die Privatnutzung eines Verbrenner-Dienstautos abführen; 1,5 Prozent des Anschaffungswerts oder maximal 720 Euro pro Monat sind bei schadstoffarmen Hybriden fällig, die nicht mehr als 126 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen.
Kleiner Vorteil bleibt
Nun sollen auch die bisher vom Sachbezug befreiten Elektroautos unter die Abgabenpflicht fallen. „Sie werden in der neuen Regelung immer noch eine Begünstigung gegenüber Verbrennern haben, aber jeder muss seinen Beitrag leisten“, heißt es aus dem Finanzministerium von Minister Markus Marterbauer (SPÖ). Die konkrete Abgabenlast wird noch nicht kommuniziert, der Sachbezug könnte sich auf etwa ein Prozent des Anschaffungswerts belaufen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Für das Budget 2028 sollen dadurch 160 Millionen Euro lukriert werden. Die genauen Zahlen werde das Doppelbudget liefern, das vom Finanzminister am 10. Juni präsentiert wird. Wirtschaftsministerium und Infrastrukturministerium halten sich zum Thema bedeckt – es gab weder aus den Büros von Peter Hanke (SPÖ) noch von Wolfgang Hattmansdorfer (ÖVP) dazu eine Stellungnahme.
Wende in Gefahr
Änderungen schaffen Gegenwind. Scharfe Kritik kommt von der Wirtschaftskammer und dem Fahrzeughandel. WK-Gremienobmann Burkhard Ernst mahnt die Regierung dringend, das Vorhaben noch einmal zu überdenken. „Es wäre ökologisch und ökonomisch der völlig falsche Weg, nun einen Sachbezug einzuführen, und könnte die Bereitschaft zum Umstieg auf Elektroautos ersticken.“
Er betont: Die Wirtschaft sei der wichtigste Treiber der Mobilitätswende. Die Einführung eines Sachbezugs auf E-Autos könnte die Nutzer bis zu 500 Euro im Monat kosten. Hinzu komme, dass den Elektroautos mit der Einführung der motorbezogenen Versicherungssteuer im Vorjahr und dem Auslaufen der Kaufprämie bereits zwei Schläge versetzt wurden.
Tatsächlich haben E-Autos und Hybridfahrzeuge in den vergangenen Monaten in der Zulassungsstatistik an Fahrt gewonnen. Sechs von zehn neu zugelassenen Fahrzeugen verfügen mittlerweile über einen Hybrid- oder Elektroantrieb. 22,5 Prozent der neu zugelassenen Pkw im heurigen Jahr (Jänner bis März) waren vollelektrisch. Dass Österreich ein Dienstwagenland ist, wird einmal mehr dadurch bestätigt, dass 66 Prozent aller neu zugelassenen Fahrzeuge aktuell auf Unternehmen angemeldet werden. „Sie sind also bisher die wahren Treiber der Mobilitätswende“, sagt WK-Vertreter Burkhart Ernst.
Firmen zürnen
Seit Anfang der Woche kritisieren auch Unternehmer die bevorstehende Sachbezugsänderung auf die Elektrofahrzeuge. Das sei weit mehr als eine steuerliche Detailfrage, zürnt etwa Biogena-Gründer und CEO Albert Schmidbauer (der KURIER berichtete). Die Unternehmen hätten in den vergangenen Jahren bewusst in die Elektromobilität investiert, Photovoltaik-Anlagen installiert, Ladeinfrastruktur geschaffen und ganze E-Flotten angeschafft. Diese Entscheidung sei aus Überzeugung getroffen worden: für Nachhaltigkeit, für Zukunftsfähigkeit und im Vertrauen auf stabile Rahmenbedingungen.
Die Folgen einer Gesetzesänderung: Mitarbeiter verlieren Geld, weil ihnen die private Nutzung des E-Autos nun vom Gehalt abgezogen wird; Unternehmen verlieren ihre Planungssicherheit. Es gehe „um die grundsätzliche Verlässlichkeit des Standorts“, sagt Albert Schmidbauer. Zumindest solle es eine Bestandsgarantie bis zum 31.12.2026 geben. Er startet deshalb eine Petition, die es ins Parlament schaffen soll – aktueller Stand bei Redaktionsschluss: 7.500 Unterschriften.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



