Dürre, Dünger, Diesel: Die Not der Bauern steigt

Politik

Der minimale Regen am Donnerstag hat leider nichts an der Situation geändert – Österreich drohen unangenehme Konsequenzen durch die anhaltende Dürre. Diese ist aber nicht das einzige Problem, mit dem die Landwirtschaft zu kämpfen hat.

Welche Auswirkungen hat die Dürre auf die Lebensmittelproduktion?
Erste Schäden sind auf den Feldern bereits sichtbar. Die Landwirtschaftskammer rechnet mit Ausfällen bei Wintergetreide, Mais und Soja. Zudem wird es massive Ausfälle im Grünland (Frischfutter, Silage, Heu) geben, was im kommenden Winter zu einer Futterknappheit für Rinder- und Milchbauern führen dürfte. Bei den Zuckerrüben begünstigt das trockene Wetter zusätzlich die Ausbreitung des gefürchteten Rübenderbrüsslers (Rüsselkäfer), der die jungen Pflanzen frisst. Weniger stark betroffen sind aktuell noch tiefwurzelnde Kulturen wie Obst und Wein.

Wie viel müsste es zur Linderung jetzt regen?
Experten der Landwirtschaftskammer betonen, dass es in den nächsten zwei Wochen einen „ausgiebigen Regen“ brauche. Nur dann könnte noch eine einigermaßen normale Ernte erreicht werden. Bleibt dieser Niederschlag aus, muss mit „deutlichen Ertragseinbußen“ gerechnet werden.

Welche Regionen sind von der Dürre betroffen? 
Laut Landwirtschaftskammer und der Geosphere Austria sind vor allem Niederösterreich, Oberösterreich, Kärnten, Burgenland, Steiermark und Wien betroffen.

Die Regierung wird einige Lebensmittel ab Juli niedriger besteuern. Wird die Teuerung die steuerliche Entlastung übersteigen? 
Die Bundesregierung senkt ab Juli die Mehrwertsteuer auf 4,9 Prozent für Grundnahrungsmittel wie Brot, Milch, Eier, Butter, Mehl sowie bestimmtes regionales Gemüse und Obst, was jedem Haushalt etwa 100 Euro Ersparnis bringen soll. Ob die allgemeine Teuerung diesen Effekt an der Supermarktkassa komplett aufheben wird, lässt sich noch nicht prognostizieren. Die Berichte zeigen jedoch eine aktuell paradoxe Situation: Trotz der drohenden Ernteausfälle und der extrem gestiegenen Produktionskosten (Dünger, Diesel) für die Landwirte, sind die Erzeugerpreise (etwa für Weizen und Kartoffeln) aufgrund einer guten Vorjahresernte momentan noch immer sehr niedrig. Die Bauern bleiben also auf ihren hohen Kosten sitzen, während die Preise, die sie für ihre Produkte bekommen, (noch) nicht gestiegen sind.

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Nun kommt auch das Düngerproblem dazu, worum geht es da?
Die Preise für Düngemittel sind für die Bauern massiv gestiegen. Die Gründe: Einerseits wirken EU-Sanktionen gegen Russland und Weißrussland sowie Antidumpingzölle gegen Länder wie die USA. Haupttreiber ist CBAM, der CO2-Grenzausgleichsmechanismus. Laut dem EU-Bauernverband COPA nutzt die europäische Düngemittelindustrie diesen Mechanismus, um ihre eigenen Preise an die nun teureren Importpreise anzupassen (Preisüberwälzung). Da Landwirte die einzigen Abnehmer für Dünger sind, tragen sie die Mehrkosten in vollem Umfang. Schätzungen zufolge kostet dieser Mechanismus die Bauern allein in diesem Jahr 826 Millionen Euro zusätzlich – und könnte aufgrund des bis 2034 steigenden CBAM auf 12 Milliarden Euro anwachsen, warnt COPA-Vizepräsident Nikolaus Berlakovich.

Könnten Landwirte auf andere Sorten umsteigen, die weniger Dünger brauchen? 
Das ist in der Praxis nur sehr eingeschränkt möglich. Ein Umstieg auf Pflanzen wie Soja, die weniger Dünger benötigen, findet bereits statt. Allerdings sind Landwirte aus ökologischen Gründen streng an Fruchtfolgen gebunden, dürfen also nicht jahrelang dieselbe Pflanze (Monokultur) auf einem Feld anbauen, nur um Dünger zu sparen, sondern müssen die Kulturen regelmäßig wechseln (etwa Weizen, Soja, Raps, Zuckerrübe). Zudem haben Versuche gezeigt, dass man nicht einfach weniger Dünger einsetzen kann: Die Kosteneinsparungen beim Dünger werden durch die Mindererträge bei der Ernte …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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