
Den „Lucky Punch“ habe er sich aus der Boxersprache geborgt, sagt der bayerische Star-Comedian Michael Mittermeier, als er Donnerstagabend auf der Bühne steht. Im Jahr 2018 taufte er eines seiner Erfolgsprogramme auf diesen Namen – mit dem Untertitel: „Die Todes-Wuchtl schlägt zurück.“ Das war schon als Hommage an den österreichischen Humor – den er so liebe – gedacht und sollte deutsche Comedy-Fans verwirren.
Nun hat er im Souterrain des Wiener Traditionscafés Prückel einen Comedy Club eröffnet, der mehr sein soll als ein Klon des 2023 gegründeten Originals in München. In der 160 Plätze fassenden, lang gezogenen Spielstätte sollen Jungtalente gefördert werden und hin und wieder auch Routiniers vorbeischauen – um neue Pointen auszuprobieren. Das kann sich auch Kabarett-Koryphäe Klaus Eckel vorstellen, der sich unter den Premierengästen befand.
Nachwuchstalente
Als Host und Warm-Upper fungiert Hauke van Göns, der bereits seinen Wohnsitz von München nach Wien verlegt hat, um hier – zunächst von Donnerstag bis Samstag – Mixed Shows zu präsentieren. Am Premierenabend standen vier Nachwuchstalente auf der kleinen, nur mit Hocker ausgestatteten Bühne und versuchten jeweils in 15 Minuten, das Publikum zu überzeugen.
Lorenz Hinterberger erzählte von seinen Erfahrungen als Geschichtelehrer und stimmte frei nach Beethoven eine „Ode an die Oide“ an, Marina Pesevski thematisierte ebenfalls Zwischenmenschliches und fragte ins Auditorium, ob jemand „Motorboating“ kenne. Es ist eine gewöhnungsbedürftige Praktik beim Liebesspiel.
Niko Nagl berührte am ehesten die politische Sphäre und meinte, dass man bei Putin umgekehrte Psychologie einsetzen müsse: Die Gay-Paraden sollten Stimmung für den Krieg machen. Dann gab es ein Mitmachspiel, bei dem „gebratener Babyelefant“ auf Koreanisch intoniert wurde. Zu den drei lokalen Talenten gesellte sich Jojo Nesco aus Deutschland, der den Generationenkonflikt neu aufrollte.
Am Ende der umjubelten Show kamen zwei Altmeister ans Mikro: Clubbesitzer Michael Mittermeier selbst und sein Wienre Kollege Michael Niavarani, seines Zeichens Hausherr im Kabarett Simpl, das nur einen Steinwurf entfernt ist. Niavarani amüsierte sich bei seinem Auftritt darüber, dass im Simpl der Moderator „Conférencier“ heiße – „und hier? Piefke.“
„Es muss einen Deppen geben“
Mittermeier freute sich über ein „Bermuda-Viereck“, welches sein Lucky Punch Club, das Simpl und die beiden Cafés Prückel und Engländer rund ums Stubentor bilden würden. Die Location sei ihm zufällig angeboten worden, sagt er im KURIER-Gespräch – „und dann ging’s schnell los. Die Jungen brauchen eine g’scheite Bühne. Es muss halt einen Deppen geben, der sagt: ich geh all–in. Und das bin ich – und meine Frau.“
Eigentlich wird der Club schon seit Mitte April bespielt – als „Soft Opening“, da noch das Okay für die Vollauslastung gefehlt habe. „Wir haben heute um 11 Uhr die letzte behördliche Genehmigung bekommen“, sagte Mittermeier. Seine Ehefrau Gudrun Mittermeier – sie kenne mittlerweile alle Wiener Magistrate – war die treibende Kraft vor Ort, als Schicht für Schicht alte Bausubstanz freigelegt worden sei. „Wir haben viel Schutt entdeckt, dann kam noch ein Wasserschaden“, sagt sie.
Heraus kam eine stimmige Ziegeloptik mit angenehmer Farbgebung und liebevollen Details. Jetzt sagt sie: „Nach einjähriger Vorbereitungszeit sind wir in den letzten drei Wochen ein bisschen reingerutscht, um die Wiener Szene kennenzulernen. Diese Comedians gab es ja schon. Aber …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



