
BMW ändert nach sechs Jahren den Vorstand. Leise, unaufgeregt und mit einer Souveränität, wie sie aktuell von allen Autobauern nur BMW in Deutschland hat. Von Oliver Zipse, er hatte den CEO-Posten sechs Jahre inne und war seit 1991 sein gesamtes Arbeitsleben lang bei BMW, geht es mit 14. Mai zu Milan Nedeljković.
Wie Zipse ist auch Nedeljković ein BMW-Eigengewächs. Nedeljković, promovierter Umform- und Gießereitechniker, startete 1993 bei BMW als Trainee und ging beharrlich seinen Weg – bis ganz hinauf zum CEO.
Milan Nedeljković ist ein nahbarer Charakter. Im Hintergrundgespräch mit Journalisten zeigt er sich offen und fokussiert. Während Oliver Zipse als distanzierter Firmenchef gilt, hat Nedeljković das Image eines freundlichen und umgänglichen Teamplayers, der durchaus hart in der Sache sein kann.
Er kennt BMW, er kennt die Technik, er kennt die Werke, er kennt einfach alles. Nedeljković war Planer im BMW-Karosserie- und Presswerk, leitete Abteilungen bei Mini, leitete die BMW-Werke Leipzig und München und war für die Unternehmensqualität zuständig.
Vom Schlüsselposten an die Spitze
2019 übernahm er, in der Ära Zipse, die Verantwortung für die gesamte Produktion. Wie viele seiner Vorgänger wurde er in dieser wichtigen Funktion auf die nächste große Führungsaufgabe vorbereitet. Bei BMW ist der Produktionsvorstand der Schlüsselposten für künftige Konzernchefs.
Die Münchner sind stolz auf ihre flexible Arbeitsweise in der Produktion. So konnten sie in der Vergangenheit auf einer Linie sämtliche Antriebe in die Autos bauen, ein entscheidender Vorteil gegenüber anderen deutschen Produzenten. Die neue Klasse (begann mit dem iX3) erforderte aber ein komplett neues Werk, das Nedeljković in Ungarn mit aufbaute. Das Meisterstück hat ein Investitionsvolumen von zwei Milliarden Euro, es wird als erstes Automobilwerk der BMW Group komplett ohne fossile Brennstoffe betrieben.
Arbeitsbeginn am 14. Mai
Viel Einarbeitungszeit wird Nedeljković also nicht brauchen, wenn er am 14. Mai auf den Chefsessel aufrückt. Aufsichtsratschef Nicolas Peter lobte ihn für „strategischen Weitblick“, große Umsetzungsstärke und unternehmerisches Denken. Die nächsten fünf Jahre seiner Amtszeit sind entscheidend für den bayrischen Autobauer: die gute Ausrollung der Neuen Klasse ist überlebenswichtig, das China-Geschäft muss Nedeljković stabilisieren, in Amerika ist BMW mit seinem größten Werk in Spartanburg zum Glück gut aufgestellt.
Im ersten Quartal des Jahres haben die Münchner einen deutlichen Gewinnrückgang verzeichnet. Der Nettogewinn verringerte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast ein Viertel auf 1,67 Milliarden Euro. Die wichtige Gewinnmarge im Autogeschäft lag bei fünf Prozent. Der Umsatz verringerte sich um 8,1 Prozent auf 31 Milliarden Euro und damit stärker als von Analysten erwartet. Neben den Problemen in China nannte Zipse die Zölle als Ursache.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



