
Nach dem ersten Sieg Bulgariens beim Eurovision Song Contest stellen sich einige Fragen zur 71. Ausgabe des musikalischen Megaevents im kommenden Jahr – etwa zum Austragungsort und wie die Stimmung in dem südöstlichen EU-Land gegenüber der Veranstaltung und allem, was mit ihr einhergeht, ist. Siegerin Dara hat sich jedenfalls schon für Bulgarien als Austragungsort ausgesprochen.
Bulgarien nimmt erst seit rund 20 Jahren am ESC teil. Häufig qualifizierte es sich nicht für das Finale. 2023 bis 2025 pausierte das zuletzt mit zahlreichen Neuwahlen beschäftigte Land – aus finanziellen Gründen. Nun muss es jedoch die nächste Ausgabe stemmen und gehört zu den ärmsten EU-Ländern.
Regierungschef erwartet Europa und die Welt
Dara sei mit ihrem ESC-Gewinnersong „Bangaranga“ ein Beispiel dafür, dass Bulgarien siegen könne, schrieb der bulgarische Regierungschef Rumen Radew auf Facebook. „Bulgarien erwartet Europa und die Welt bei der Eurovision 2027!“ Dara selbst sagte Berichten bulgarischer Medien zufolge: „Im kommenden Jahr kommt der ESC nach Sofia, und wir müssen uns vorbereiten.“
Der Eurovision Song Contest 2027 könnte in der Arena 8888 (benannt nach einer Gaming-Plattform), der größten Halle der Balkanmetropole, ausgetragen werden. In der 2011 fertig gestellten Multifunktionshalle finden Sportturniere und Konzerte statt. Auch der eher wenig beachtete Junior-ESC ging hier schon mal über die Bühne, ebenso Konzerte von Lady Gaga, Jennifer Lopez, Eros Ramazzotti oder den Red Hot Chili Peppers.
Die Arena liegt im Osten der Hauptstadt, auf dem Weg zum internationalen Flughafen, und fasst etwa 13.000 bis 15.000 Zuschauer. Sie ist damit vergleichbar mit der Wiener Stadthalle, die jedoch beim ESC so umgebaut worden war, dass rund 10.000 Menschen bei den Shows und Proben dabei sein konnten.
ESC spaltet die Gemüter – auch in Bulgarien
Der ESC spaltet die Gemüter in dem südöstlichen EU-Land, das seit 2026 Teil der Euro-Zone ist. Für die proeuropäisch gesinnten Fans in dem früheren Ostblock-Staat ist der ESC eine große, nicht nur musikalische Show. Sie sehen die Teilnahme daran als Zeichen dafür, dass Bulgarien klar zu Europa gehöre. Das andere Lager in dem Balkanland sieht den ESC eher als eine kommerzielle, exzentrische Show, die LGBT-Kultur – sprich schwule, queere Inhalte – verbreite. Der ESC ist entsprechend als „politischer Contest“ umstritten.
Ohnehin stellt sich aufgrund des Vorgehens von Israel im Gazastreifen die Frage, wie viele Länder 2027 die Reise nach Bulgarien antreten werden. Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island boykottierten den ESC in diesem Jahr. Im Grunde haben die Länder nun die gleiche Ausgangslage wie vergangenes Jahr, Israel wurde Zweiter und der Nahostkonflikt ist ungelöst.
Source:: Kurier.at – Kultur



