
Am Dienstag, und damit zwei Tage früher als angekündigt, hat der neue ORF-Generaldirektor Clemens Pig sein künftiges Direktoren-Team bekannt gegeben. Diese Namenliste bietet Überraschungen auf allen Ebenen.
Ausgeschrieben waren vier neue zentrale Direktionen: „Programm und Brands“, „Audience und Plattformen“, „Finanzen und Verwaltung“ sowie „Technologie und Innovation“. Dazu waren noch die gesetzlich vorgegebenen neun Bundesländer-Direktionen zu besetzen.
Da wie dort sind Namen zu finden, mit denen nicht unbedingt zu rechnen war. Ein koalitionärer Sideletter lässt sich, wie schon bei der Aufstellung der neuen Direktionen, nicht erkennen.
Nur ein zentraler Direktor geht in die Verlängerung
Die neuen zentralen Direktionen am Küniglberg sollen wie folgt besetzt werden:
Finanzen und Verwaltung: In Zeiten, in denen radikal gespart und umstrukturiert werden muss, setzt Pig auf eine Besetzung von außen. Silvia Lieb war zuletzt Vorstandsvorsitzende der Moser Holding (z. B. Tiroler Tageszeitung), die derzeit von Russmedia übernommen worden ist. Sie hatte zuvor niemand auf der Rechnung. Damit sind, die Generaldirektion mitgerechnet, zwei zentrale Funktionen mit Personen von außen besetzt.
Programm und Brands: Der bisherige TV-Chefproducer Michael Krön, der auch den Eurovision Song Contest im wirtschaftlichen Rahmen gehalten hat, soll das Sparbudget bedingte Streichkonzert im Programm dirigieren und zielgerichtete Akzente setzen.
Audience und Plattformen: Angelika Sima-Wallinger, zuletzt Chefredakteurin im Landesstudio Vorarlberg, weiß, wie man TV, Radio und Online bespielt. Sie war u. a. Redakteurin und Tageschefin bei Ö3, verantwortete und entwickelte Sendungen und Inhalte für den TV-Vorabend und war mehrere Jahre Büroleiterin in der ORF-Fernsehdirektion. Von 2015 bis 2018 führte sie die Kommunikation der Caritas.
Technologie und Innovation: Harald Kräuter kommt als einziges Mitglied der bisherigen ORF-Geschäftsführung hier erneut zum Zug.
Damit hat Pig auch das anvisierte Ziel der Geschlechter-Parität bei den zentralen Direktionen tatsächlich umgesetzt.
Eine Ablöse und einige Veränderungen in den Bundesländern
Dem Vernehmen nach noch nicht vollends verinnerlicht haben manche Landeshauptleute und ihre Stellvertretung, dass es bei den Landesdirektionen kein Anhörungsrecht mehr gibt. Es soll Misstöne gegeben haben, weil langgediente Chefredakteure nicht automatisch als Favoriten angesehen wurden.
Erwartungsgemäß verlängert wurden: Edgar Weinzettl in Wien, Alexander Hofer in Niederösterreich, Esther Mitterstieler in Tirol sowie Klaus Obereder in Oberösterreich.
Im Burgenland wurde Werner Herics trotz erneut Gegenwinds seitens Landeshauptmann Hans Peter Doskozil bestätigt.
Zu neuen Besetzungen in Folge von Pensionierungen kommt es in:
Salzburg mit Gerd Schneider. Der Vertrag des 63-Jährigen bisherigen Chefredakteurs wird dem Vernehmen nach befristet mit dem Pensionsantrittsalter.
Steiermark mit Sigrid Hroch. Sie ist seit über 20 Jahren dort in fast allen redaktionellen Bereichen des ORF Steiermark tätig und zuletzt auch Programmchefin von Radio Steiermark.
Kärnten mit Martin Weberhofer. Er ist seit 2007 Programmchef von Radio Kärnten.
Vorarlberg erhält mit Julia Ortner ebenfalls eine neue Führung. Hier erhielt Markus Klement, dessen Führungsstil hinterfragt wurde, keine Vertragsverlängerung. Nach dieser Entscheidung stehen die Vorzeichen hier wohl auf Trennung. Ortner ist derzeit Redaktionsleiterin von orf.at.
Schwerer Start für neue ORF-Führung zu erwarten
Pig wird sein Team dem ORF-Stiftungsrat am 11. August präsentieren und seine Auswahl begründen. Das oberste ORF-Aufsichtsgremium wird über die Direktoren im Paket abstimmen.
Wie schon bei seiner eigenen Bestellung musste auch der bisherige APA-CEO bei seiner Auswahl das neue Europäische Medienfreiheitsgesetz (EMFG) beachten. Es verlangt eine nachvollziehbare Auswahl nach transparenten, objektiven und nicht diskriminierenden Kriterien. Weil …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



