Das LD-Verfahren: Wie Stahl zur Massenware wurde

Wirtschaft

Stahl ist aus dem Alltag nicht wegzudenken. Ob in Autos, Eisenbahnschienen, Brücken oder Maschinen – das vielseitige Material wird weltweit in riesigen Mengen benötigt. Eine wichtige Rolle bei seiner Herstellung spielt das Linz-Donawitz-Verfahren, kurz LD-Verfahren. Die in Österreich entwickelte Technologie ermöglichte es, Roheisen schnell und effizient in hochwertigen Stahl umzuwandeln. Bis heute wird das Verfahren weltweit eingesetzt.

Bis in die 1950er-Jahre dominierte das sogenannte Thomas-Verfahren und vor allem das Siemens-Martin-Verfahren die Stahlproduktion. Letzteres war zwar bewährt, aber langsam: Ein Schmelzvorgang dauerte sechs bis zwölf Stunden. Ab 1949 bis 1952 arbeiteten Ingenieure der Vereinigten Österreichischen Eisen- und Stahlwerke (VOEST) in Linz und der Österreichisch-Alpine Montangesellschaft in Donawitz parallel an einer neuen Idee: Im Verfahren Sauerstoff statt Luft zu verwenden.

Keine weitere Energie benötigt

Das Prinzip ist relativ einfach: Flüssiges Roheisen aus dem Hochofen wird in einen birnenförmigen Stahlkessel gefüllt. Dann bläst man von oben reinen Sauerstoff mit hohem Druck auf die Schmelze. Der Sauerstoff verbrennt die unerwünschten Begleitstoffe im Roheisen – vor allem Kohlenstoff, aber auch Silizium und Mangan. Diese oxidieren und werden als Schlacke abgeschöpft oder entweichen als Gas. Übrig bleibt hochwertiger Stahl. Der entscheidende Trick: Man braucht keine zusätzliche Energie von außen. Die chemischen Reaktionen selbst erzeugen genug Hitze, um die Schmelze flüssig zu halten.

1952/53 gelang es, das Verfahren industriell nutzbar zu machen. Die erste LD-Anlage ging Anfang 1953 in Linz in Betrieb, im Mai des Jahres folgte Donawitz. Das neue Verfahren verkürzte die Produktionszeit deutlich auf etwa 20 bis 30 Minuten pro Charge. Gleichzeitig verbesserte sich die Stahlqualität, und die Produktionskosten sanken erheblich.

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Das erste Schiff aus dem neuen Stahl

Zum praktischen Beweis der vollen Eignung von Blechen aus LD-Stahl für Schiffsbauzwecke entschied sich die VOEST 1957 zum Bau von Hochseeschiffen. Bereits gut ein Jahr später, im Dezember 1958, läuft die „M.S. Linzertor“ vom Stapel. Das erste Frachtmotorschiff aus LD-Stahl hatte eine Tragfähigkeit von 14.000 Tonnen. Sie bewies allen Kritikern, dass LD-Stahl der ideale Werkstoff für den Schiffsbau ist.

Gemeinsam mit der deutschen Firma Krupp errichtete die VOEST 1957 in Indien das erste LD-Stahlwerk außerhalb Österreichs. In den 1960er-Jahren verbreitete sich das Verfahren rasant über die ganze Welt. Die VOEST lizenzierte die Technologie international – ein lukratives Geschäft und ein Prestigeerfolg für Österreich. Das Verfahren machte auch bestimmte Stahlqualitäten und -anwendungen – beispielsweise im Automobilsektor oder dem Energiebereich – überhaupt erst möglich.

1,5 Milliarden Tonnen weltweit produziert

Heute werden weltweit etwa 70 Prozent des Rohstahls mit dem LD-Verfahren oder Weiterentwicklungen davon hergestellt. „Das LD-Verfahren führte dazu, dass sich die Stahlproduktion seit damals weltweit von 200 Millionen auf rund 1,5 Milliarden Tonnen pro Jahr erhöhte“, heißt es seitens der heutigen voestalpine, zu der nach der Fusion der VOEST mit der Alpine Montan AG 1973 beide Standorte gehören.

Auch wenn das LD-Verfahren ein weltweiter Erfolg wurde, macht die voestalpine bereits einen Schritt weiter in Richtung einer weitgehend grüneren Stahlerzeugung. Im nächsten Jahr gehen an beiden Standorten in einem ersten Schritt je ein grünstrombetriebener Elektrolichtbogenofen (EAF) in Betrieb. Bis 2029 können dadurch bis zu 30 Prozent der CO2-Emissionen gegenüber 2019 eingespart werden. Das entspricht fast 5 Prozent der jährlichen Emissionen …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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