
Mangelnde Verpflegung, Stockbetten, unbeheizte Kabinen, kein Taggeld und fehlender Respekt vom österreichischen Eishockey-Verband haben die Spielerinnen des Frauen-Nationalteams auf die Barrikaden steigen lassen. Der angedrohte Boykott der A-WM sorgte sogar in nordamerikanischen Medien für Aufsehen. Auch bei den großen Vereinen wächst angesichts der Vorgänge im Verband die Ungeduld. Lukas Garhofer und Patrick Wondra, Geschäftsführer der Vienna Capitals, sprechen über Verband, Liga und Zukunft des österreichischen Eishockeys.
KURIER: Wie ist Ihre Sicht auf die Diskussionen rund um den Verband und insbesondere das Frauen-Nationalteam?
Lukas Garhofer: Es ist unverständlich, dass man solche Dinge nicht intern regeln kann. Es geht nicht um große Zugeständnisse, sondern um normale Voraussetzungen. Sportübliche Verpflegung und Unterkünfte sollten eigentlich kein Thema sein. Das ist nicht tragbar. Wir erwarten als Vereine und Mitglieder des ÖEHV, dass das umgehend gelöst und das positive Image des österreichischen Eishockeys wiederhergestellt wird.
Patrick Wondra: Die aktuellen Vorwürfe sind ja nicht die einzigen Versäumnisse der Verbandsführung. Es wurden in den vergangenen Jahren massiv Rücklagen aufgelöst. Wenn man bis in die Corona-Zeit zurückgeht, reden wir mittlerweile von knapp zwei Millionen Euro. Das ist Geld, das den Mitgliedern des Verbandes gehört. Die Capitals sind ein Mitglied dieses Verbandes.
Was denken Sie sich, wenn Sie solche Zahlen lesen?
Garhofer: So zu wirtschaften, können sich Vereine nicht leisten. Wir sind dankbar, dass die Medien das aufgreifen. Es muss beantwortet werden, wie man Gelder aus Rücklagen nehmen kann, die ursprünglich für die Nachwuchsausbildung vorgesehen waren, obwohl gerade dort das System krankt. Es gibt in Österreich kein Akademiesystem wie im Fußball, wo Bundessportförderungen fließen. Das kann nur der Verband gemeinsam mit dem Sportministerium etablieren.
Wäre Wien ein geeigneter Standort für eine solche Akademie?
Garhofer: Es gibt in Österreich gar nicht so viele mögliche Standorte. Bei uns wird das derzeit rein privat finanziert, weil wir keine entsprechende Förderung bekommen. Mit einem solchen System könnte man in fünf, sechs Jahren große Fortschritte erzielen.
Wondra: Man muss das Thema Verband auch einnahmenseitig betrachten. Wenn es nur einen zahlenden Sponsor gibt, wird das zu wenig sein. Man muss den Vorstand breiter aufstellen und Menschen hineinholen, die ein Netzwerk in der Wirtschaft haben.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Nachwuchsligen zu schwach sind, um Spieler auf die Profiliga vorzubereiten.
Garhofer: Das ist nur ein Symptom dafür, dass das gesamte System krankt. Die Fehler liegen nicht nur beim Verband, aber er sollte die treibende Kraft sein, um die Rahmenbedingungen zu verändern. Das beginnt bei einer vernünftigen Trainerausbildung. Oft geht es um ganz banale Dinge – aber genau die muss man machen.
Wondra: Gleichzeitig wird sehr viel ins A-Nationalteam investiert. Teilweise gibt es fragwürdige Entscheidungen, etwa bei der Vielzahl an Camps. Spieler sagen selbst, dass manche nicht notwendig sind. Das kostet viel Geld. Da muss man fragen, ob dieses Geld nicht besser in Frauen-, Nachwuchsakademien oder Kindercamps investiert wäre. Dort mussten teilweise Camps abgesagt werden, weil Mittel fehlten.
Der Kooperationsvertrag zwischen Liga und Verband läuft aus. Kommt es zum Bruch
Garhofer: Es ist auszuschließen, dass der ÖEHV in seiner aktuellen Form eine Profiliga austragen könnte. Beide Seiten müssen aufeinander zugehen. Natürlich will der Verband möglichst viele Österreicher einsetzen. …read more
Source:: Kurier.at – Sport



