
Im steirischen Rohrbach an der Lafnitz steht eines der größten Sägewerke Österreichs. Bei Rubner Holzindustrie werden jeden Tag 65 Lkw-Ladungen Rundholz angeliefert. Meist sind es Fichtenstämme, die aus den Wäldern in rund 40 Kilometer Umkreis um das Werk stammen. Große Forstbetriebe liefern sie genauso an wie Landwirte mit kleinem Baumbestand. Aus dem Holz wird im Sägewerk eine Vielzahl von Produkten geformt: Riesige Träger mit dutzenden Metern Spannweite für architektonisch ausgefallene Dachkonstruktionen, Bretter für Fertigteilhäuser, Hackgut für die Papierindustrie und Pellets für Pelletsheizungen.
Im Sekundentakt werden Stämme bewertet
Riesige Radlader mit gewaltigen Klauen transportieren die Stämme über das Werksgelände. Bis zu 10 Tonnen können sie auf einmal fassen. Erste Station nach der Anlieferung ist die Sortierung. Stamm für Stamm wird hier vermessen und von einem Arbeiter in eine von 40 Kategorien eingeteilt. Bei manchen wird auch schnell mal ein Teil weggefräst, wenn der so genannte „Wurzelanlauf“ zu dick ist. Das drei oder vier Meter lange Rundholz soll möglichst gleichmäßig geformt sein. Das alles passiert im Sekundentakt. Pro Schicht werden rund 1.000 Festmeter Holz sortiert.
„Unser Ziel ist es, den Stamm möglichst vollständig zu verarbeiten“, sagt Produktionsleiter Manuel Schlögl. Nach der Lagerung in einem weitläufigen Zwischenlager kommt das Holz in eine riesige Halle, in der es laut und sehr staubig ist. Der draußen ohnehin omnipräsente Holzgeruch ist hier drinnen noch einmal intensiver. Auf riesigen Maschinen wird das Rundholz genau ausgerichtet und in Bretter und Pfosten mit unterschiedlichen Größen geschnitten.
Sägespäne und größere Holzsplitter, die dabei wegfallen, werden gesammelt. Die Bretter gehen weiter in das Hobelwerk, wo sie mit Röntgenstrahlen durchleuchtet werden, um Fehler zu entdecken, die man in einheitlichen Produkten nicht sehen will, etwa Astspuren oder Käferlöcher. Nach der Bearbeitung werden die Bretter mehrere Tage lang in Trockenkammern getrocknet. Am Ende schauen über 200 unterschiedliche Produkte heraus.
Sägespäne werden zu Pellets gepresst
Während das gesammelte Hackgut an die Papierindustrie geliefert wird, fließen die Sägespäne über ein Förderband zum Partnerbetrieb Steirer Pellets. Dort werden die Späne getrocknet, mit einem Bindemittel aus Stärke (einem Abfallprodukt aus der Lebensmittelindustrie) versetzt und in großen Pressen durch eine Art Sieb gedrückt. Heraus kommen bis zu vier Zentimeter lange Holzpellets. „Pro Jahr erzeugen wir 70.000 Tonnen Pellets“, erzählt Andreas Edler-Retter, Geschäftsführer von Steirer Pellets. Die kleinen Holzwürstchen werden lose direkt an Endkunden oder an Händler verkauft und landen in Pelletskesseln.
70 Prozent der Energie, die Österreichs Haushalte verbrauchen, fließt in die Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser. Rund 60 Prozent davon wird durch fossile Energieträger wie Erdgas und Heizöl aufgebracht. Erneuerbare Alternativen wie Wärmepumpen oder Pelletsheizungen sind aber auf dem Vormarsch.
Österreich ist ein Big Player
Das sei auch längst an der Zeit, findet Helmut Matschnig. Der Geschäftsführer des Pelletskesselherstellers KWB im steirischen St. Margareten an der Raab sieht Biomasse als beste Option für europäische Souveränität bei der Energieversorgung: „Wovon haben wir am meisten? Biomasse.“ Bei objektiver Betrachtung sollte man sich für die Energiewende genau darauf besinnen. „Jemand vom Mars würde mit Holz heizen.“ Mit Biomasse könne man auch das ganze Jahr über heizen, auch im Winter, wenn vermehrt Gas und Strom importiert werden müssen.
Am heimischen Markt für …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



