Riesen-Rechenzentren: Heimischer IT-Boss warnt vor Abhängigkeit

Wirtschaft

Der Bau von Rechenzentren wirbelt derzeit viel Staub auf. Wegen des hohen Strom- und Wasserverbrauchs regt sich vor allem in Oberösterreich Widerstand gegen das riesig dimensionierte Google-KI-Rechenzentrum in Kronstorf. In Nickelsdorf/Burgenland fühlen sich Bewohner von Plänen eines Großrechenzentrums überrumpelt.

Alexander Windbichler, Gründer und CEO des heimischen Rechenzentrums- und Cloud-Services-Provider Anexia, hält die Aufregung für „zu emotional aufgeladen“. Vergleiche mit dem Widerstand gegen die Atomkraft seien völlig übertrieben, zumal Rechenzentren für digitale Geschäftsprozesse unerlässlich seien. Man müsse aber darauf schauen, von wem sie wofür errichtet werden.

 „Das Google-Center ist nur reserviert für Google. Deren KI funktioniert nicht besser, nur weil sie dann hier läuft“, erläutert Windbichler im Gespräch mit dem KURIER. Fraglich sei daher, ob Google die Kapazitäten überhaupt benötige.

Im Hinblick auf die digitale Souveränität Europas wäre es gescheiter, Rechenzentren zu bauen, die von mehreren heimischen oder europäischen Firmen genutzt werden könnten und hier auch lokale Wertschöpfung schaffen. In Deutschland etwa errichten gleich mehrere Technologieunternehmen, darunter die Deutsche Telekom und SAP, gemeinsam eine KI-Gigafactory. „Wir sind in Europa viel zu abhängig von nicht-europäischen Anbietern“, sagt Windbichler und meint damit nicht nur die Rechenzentren, sondern die gesamte digitale Wertschöpfung. „Europa fällt zurück, weil es keine eigenen KI-Lösungen hat und die Betriebe 100 Prozent abhängig sind von Unternehmen, die jedes Quartal ihre Preise anheben können und ihre Gewinne ganz woanders versteuern.“

Um mehr Bewusstsein für die digitale Eigenständigkeit zu schaffen, gründete Windbichler im Juli die „Initiative Digitale Souveränität“, der auch A1, die Erste Bank und Spar angehören. Auch auf EU-Ebene setzt er sich für unabhängige Cloud-Infrastruktur ein. Jüngste Europäisierungsversuche der US-Techkonzerne, etwa dass europäische Daten in Europa blieben und nur europäisches Personal darauf Zugriff habe, kann Windbichler wenig abgewinnen. Wenn die Zentrale in den USA liege, könne man nicht digital souverän sein, zumal US-Recht dann auch in anderen Ländern gelte.

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Öffentliche Ausschreibungen

Positiv wertet der Anexia-Chef die von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer angekündigte Reform bei öffentlichen Ausschreibungen, wo künftig regionale Wertschöpfung besser berücksichtigt werden soll. Im IT-Umfeld seien derzeit viele Ausschreibungen so gestaltet, dass es für kleinere Anbieter gar nicht möglich sei, da teilzunehmen, das müsste offener ausgeschrieben werden. „Ich verspreche mir da schon mehr Chancen bei Ausschreibungen“, so Windbichler.

Anexia, 2006 von Windbichler in Klagenfurt gegründet, entwickelte sich vom Internet- und Hostinganbieter zu einem international tätigen Cloud- und IT-Dienstleister mit aktuell rund 500 Mitarbeitern. Das Unternehmen bietet Cloud- und Managed Services sowie individuelle Software-, Web- und App-Entwicklung an und betreibt 100 Server- und Rechenzentrumsstandorte in rund 70 Ländern, davon 30 in Europa.

 Ein eigenes großes Rechenzentrum befindet sich in Wien, der Rest ist angemietet. Zu den Referenzkunden zählen Rewe, BMW, Allianz oder Lufthansa Systems. Der Hauptsitz befindet sich in Klagenfurt, weitere Niederlassungen sind in Wien, Graz, Karlsruhe und New York.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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