Alarm in Estland: „Die Drohnen-Attacken hängen alle zusammen“

Politik

Hier in Tallinn haben die Sirenen diese Nacht nicht geheult, ein paar Dutzend Kilometer ostwärts aber war das ganze Land in Alarmbereitschaft. Zwei Drohnen waren an der Grenze zu Russland in den Luftraum eingedrungen, Abfangjäger stiegen auf und verdrängten sie. Moskau hatte seine Finger da wohl mit im Spiel: Die ukrainischen Fluggeräte waren absichtlich gestört worden und hatten sich verirrt.

Estland ist direkter Nachbar Russlands, die Bedrohung durch den militärisch übermächtigen Nachbarn „ist nicht neu“, sagt Marta Tuul, Sprecherin des Inlandsgeheimdiensts. Darum ist auch Österreichs Innenminister Gerhard Karner hier: Im streng abgeschirmten Gebäude der Staatsschützer trifft er seinen Amtskollegen Igor Taro, mit dabei ist auch Sylvia Mayer, Leiterin der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN). Dass die beiden einander an dem Tag sehen, an dem die Deutschen Russland für die Attacke in Leipzig verantwortlich machen, ist ein passender Zufall: „Die Drohnenattacken hängen alle zusammen“, sagt Taro, „sie tauchen überall in Europa auf“, fügt Karner hinzu. Das Ziel? „Russland will uns ängstigen“, sagt der Este.

Mit dieser Furcht lebt das 1,3-Millionen-Einwohner-Land schon seit Jahrzehnten, betont man hier immer wieder. Nicht 2022 sei die Zäsur gewesen, „Russland ist schon seit unserer Unabhängigkeit 1991 eine Gefahr für uns“, sagt Geheimdienst-Sprecherin Tuul. Seit der Invasion der Ukraine habe sich die Lage aber verschärft, neben Desinformation gebe es nun mehr „kinetische Attacken“, sprich physische Angriffe.

Militärische Anlagen, Statuen mit symbolischem Wert oder ukrainische Restaurants oder Autos würden attackiert. Weil die Spione der Geheimdienste SWR und GRU nicht mehr vor Ort operieren können, „rekrutieren die Russen jetzt hauptsächlich Wegwerfagenten“, sagt sie – Menschen, die oft nicht mal wüssten, dass sie im Auftrag Putins handelten.

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Drohnen-Jammen

Lernen kann Österreich von den Esten im Umgang mit Drohnen, auch wenn die Bedrohung durch die mehr als 300 Kilometer lange Grenze zu Russland eine andere ist. Beide Staaten erlauben derzeit kein Drohnen-Jammen durch Private – die bewusste Störung des GPS-Signals dürfen nur Polizei und Militär einsetzen. Karner will das etwa für Firmen, die Ziel von Attacken werfen könnten, ändern: „Wir brauchen dringend neue Methoden.“

Sein Amtskollege Taro stimmt zu, schließlich gehören GPS-Störungen durch Moskau schon lange zu seinem Alltag: Das Signal setze hier schon 100 Kilometer vor der Grenze aus, weil die Russen alles stören. „Unsere Piloten fliegen dann nur mehr auf Sicht.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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